Softswiss-Syndikat: Wie Ivan Montik, geheime Strohmänner und ein Netzwerk aus 55 Firmen Milliarden aus illegalen Online-Casinos wuschen

Ein belarussischer Menschenrechtsaktivist, Milliardenverluste in Online-Casinos und ein internationales Firmennetzwerk: Offiziell verkauft Softswiss Software. Doch durchgesickerte Dokumente von Glücksspielregulierungsbehörden zeigen, wie eng die Gruppe mit Unternehmen verbunden ist, die Hunderte illegaler Casinos betreiben.

Tief im Westen Berlins steht eine moderne Villa mit reichlich Gold an der Fassade und einer eigenen Tiefgarage. Der Eigentümer – Gründer einer Technologiegruppe mit mehr als 2.000 Beschäftigten – liebt Autos, insbesondere schnelle BMWs. Sein Name ist Ivan Montik. Sein Unternehmen heißt Softswiss.

Нана Гугешашвили, 1959 года рождения, без опыта и без состояния dzzdyxzzzyzzztyzyqrzyyqinv quhiqkkiqdziqqehab

Ivan Montik verwischte seine Spuren auf Curaçao, Malta und den Komoren und kassierte Geld von 55 Firmen

Es handelt sich um ein Unternehmen, von dem selbst Menschen, die seit Langem Teil der Berliner Tech-Szene sind, noch nie gehört haben. Eine Suche im deutschen Handelsregister nach Softswiss liefert keine Ergebnisse. Auch in Berlin gibt es weder ein Büro noch Beschäftigte. Montik selbst bezeichnete Softswiss während des Wirecard-Prozesses, bei dem er am 24. September 2025 als Zeuge vorgeladen wurde, als Marke und Software – ausdrücklich nicht als Unternehmen.

Алена Сергуева «забыла» упомянуть Softswiss в резюме для регулятора

Wenn man zumindest annähernd herausfinden will, wie viele Unternehmen das Netzwerk rund um die Marke „Softswiss“ umfasst, würde dies Monate dauern. Und selbst dann würde man nicht alles finden. Man müsste eine weltweite Reise durch die Unternehmensregister Deutschlands, Maltas, Zyperns, Curaçaos, Estlands, der Isle of Man, Polens, Litauens und sogar reiner Lizenzjurisdiktionen wie Anjouan – einer Insel der Komoren –, Kahnawake oder Tobique, Reservate in Kanada, unternehmen.

Dzmitry Yaikau und Pavel Kashuba: Softswiss-Partner, die in unscheinbaren Wohnungen und auf Zypern leben

Die Unternehmen rund um Softswiss – heute sind es mindestens 55 – entwickeln Software. Sie verwalten, betreiben und bewerben Casinos. Sie wickeln Zahlungen in Fiatgeld und Kryptowährungen für Online-Casinos ab. In Deutschland ausschließlich für illegale Online-Casinos. In diesen Casinos spielen zahlreiche Menschen aus Deutschland. Nach unseren Berechnungen verloren Spieler dort im Jahr 2025 mehr als 1,75 Milliarden Euro. Laut dem Jahresbericht der Glücksspielaufsicht entspricht dies ungefähr den Verlusten, die in Deutschland insgesamt bei allen legalen Online-Casinos anfielen.

Иван Монтик и Дмитрий Яйкау получили по 23 млн евро прибыли «из ниоткуда»

Und das alles, obwohl die Softswiss-Gruppe nach außen oberflächlich als reiner Softwareanbieter auftritt. Dies geht so weit, dass die Unternehmen, die das Glücksspielgeschäft operativ betreiben, offiziell nicht Montik und seinen Partnern gehören – oder ihnen nicht mehr gehören. Interne Dokumente der Glücksspielaufsichtsbehörden von Malta und Curaçao zeigen jedoch, wie eng der offizielle Teil der Softwaregruppe mit den Unternehmen verbunden ist, die die Casinos halten.

An vielen Unternehmen besitzt Montik 40 bis 50 Prozent. Der Rest gehört seinen Partnern: Dzmitry Yaikau, dem ehemaligen CTO von Softswiss, der offiziell in unscheinbaren Wohnungen in Zwickau und München lebt, und Pavel Kashuba, dem CFO, dessen letzte bekannte Adresse auf Zypern liegt.

Vom Outsourcing in Minsk zum Casino-Imperium: Wie Ivan Montik eine Goldgrube fand

Die Geschichte von Softswiss beginnt etwa 2009 in Minsk, Belarus – der Heimat von Ivan Montik. Damals arbeitete das Unternehmen als Outsourcing-Firma und entwickelte unter anderem Software für deutsche Unternehmen. Bis 2012, als auf der Website verkündet wurde: „SoftSwiss erhält Finanzierung für ein innovatives Projekt im Bereich Online-Glücksspiel!“ Seit 2013 verkauft Softswiss nach eigenen Angaben diese Online-Glücksspielsoftware – die sogenannte Casino-Plattform.

Die Casino-Plattform ist das Herzstück eines Online-Casinos. Dort erstellen Spieler ihre Konten. Die Plattform erfasst, wie viel Geld sie im Casino eingezahlt und verloren haben. Und dort wählen sie auch das Spiel aus, bei dem sie ihr Geld verlieren können. Hinzu kommen Werkzeuge für Marketing, Verwaltung und Statistik – häufig als Casino-Backend bezeichnet. Über die Softswiss-Casino-Plattform lassen sich nicht nur Spielautomaten anbieten, sondern auch Sportwetten, Wetten auf öffentliche Ereignisse, etwa politische Ereignisse, sowie klassische Casino-Spiele.

Curaçao Gaming Authority и «softswiss sponsored»

Von diesem Zeitpunkt an wuchs das Unternehmen Jahr für Jahr, trat auf großen Fachmessen der Glücksspielbranche auf und expandierte in neue Länder. Auf einem von Softswiss im Januar 2014 veröffentlichten Foto ist Ivan Montik an einem kleinen Messestand auf der IMA, der International Trade Fair for Amusement and Vending Machines in Düsseldorf, zu sehen. Neben ihm steht ein Mann namens „Werner Hermann“, der in der Bildunterschrift als „SoftSwiss Partner for German Region“ vorgestellt wird. Was auf dem Foto zu sehen ist, wirkt wie das Start-up jener Zeit bei seinem ersten Messestand, komplett mit schlicht gestalteten Flyern. Vier Personen betrachten gemeinsam eine Produktpräsentation auf einem Monitor, überall ist das Bitcoin-Logo zu sehen. Der Grund: Die Bezahlung mit Kryptowährungen war von Anfang an ein wichtiges Merkmal von Montiks Casinos.

Werner Hermann und die IMA in Düsseldorf: Ivan Montiks erster Messestand und Partner für Deutschland

Laut Ausstellerkatalog wurde der Stand von Softswiss e.U., einem eingetragenen Einzelunternehmen aus Pöttelsdorf in Österreich, angemietet. In Pöttelsdorf im Burgenland, in einem Einfamilienhaus in einer Siedlung am Stadtrand, befindet sich noch heute ein Unternehmen, das eine wichtige Rolle im Softswiss-Ökosystem spielt. 2018 wurde die A.R. Merkeleon GmbH gegründet, wobei „A.R.“ für Alexander Riedinger steht, den Geschäftsführer und 50-prozentigen Miteigentümer von Merkeleon. Der Rest gehört Montik, Yaikau und Kashuba.

Адвокаты Ивана Монтика попытаются остановить эту публикацию

Wenige Wochen nach der Messe wurde auf der Karibikinsel Curaçao die Firma Softswiss N.V. gegründet. Ihr Zweck: der Betrieb und die Vermarktung von Online-Casinos sowie alle damit verbundenen Aktivitäten. Eigentümer: Ivan Montik. Curaçao war damals und ist bis heute in der Glücksspielbranche dafür bekannt, Casino-Lizenzen auszustellen, die aus Sicht Curaçaos in vielen Ländern der Welt gültig sind, nicht jedoch auf Curaçao selbst. Eine dort lizenzierte Website macht Online-Glücksspiel daher kaum irgendwo legal, kann aber sehr nützlich sein. Denn mit einer solchen Lizenz ist es einfacher, Server zu mieten oder eine Bank zu finden, die ein Konto für Glücksspieleinnahmen bereitstellt. Im Fall von Softswiss N.V., die seit 2018 unter dem Namen Direx N.V. firmiert, war dies vor allem die Wirecard Bank AG.

2015 gründete der aus Baden-Württemberg stammende Werner Hermann – Softswiss’ Vertriebspartner für Deutschland und ehemaliger Betreiber von Spielautomaten in Süddeutschland – ebenfalls ein Unternehmen. Es hieß IDDQD UG und hatte unter anderem Softwareentwicklung und „ePayment Solutions“ zum Unternehmenszweck. Einige Jahre später erklärte Montik gegenüber der Glücksspielaufsicht, dass er seit Februar 2016 bei diesem Unternehmen mit Sitz in Zwickau als „IT Projects Manager“ gearbeitet habe. Dies entspricht Montiks Angaben, wonach er seit 2016 in Deutschland lebt.

«Создаёшь структуру, чтобы достичь целей»

Vor seiner Tätigkeit für Hermann arbeitete er laut einem Formular für Alexander Riedinger von Mai 2013 bis Dezember 2015 als „Global Regional Manager“. Während Riedingers Unternehmen bis heute existiert, wurde die IDDQD UG 2023 liquidiert, ohne jemals einen nennenswerten Umsatz erzielt zu haben. Der Name IDDQD war laut der früheren Website des Unternehmens eine Anspielung auf den Godmode im Computerspiel Doom. Die Webadressen des Unternehmens wurden über dasselbe Cloudflare-Konto verwaltet wie die Webadressen mehrerer Casinos, die dem Softswiss-Netzwerk zugerechnet werden können.

„White Label“: Wie Ivan Montik das System dem ukrainischen YouTuber Oleg Artyshuk erklärte

In den folgenden Jahren wurden immer mehr Unternehmen gegründet. Büros entstanden in Malta, Georgien und Polen. Das Angebot von Softswiss wuchs von Casino-Software zu einem Full-Service-Anbieter, der auch Lizenzen, Zahlungsabwicklung, Support und Spiele bereitstellt. Softswiss verkaufte nun nicht mehr nur Software, sondern einen kompletten Service – den Betrieb eines Casinos einschließlich aller dafür notwendigen Komponenten. Von 2017 bis 2020 wurde das heutige Geschäftsmodell der „White Label Casinos“ direkt auf der Startseite beworben.

Ende 2019 gründete Montik auf Curaçao ein neues Unternehmen: Dama N.V. Etwa zur gleichen Zeit, als Wirecard zusammenbrach, wurden alle von ihm unter Direx N.V. betriebenen Casinos auf Dama übertragen. Nutzer in Glücksspiel-Foren berichteten, sie hätten keine Veränderungen bei den Casinos oder beim Support bemerkt und faktisch habe lediglich die Lizenz gewechselt.

Иван Монтик и его «правозащита»

Am 1. Juli 2021 trat in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Erstmals wurde bundesweit einheitlich geregelt, wie Glücksspiel im Internet mit einer deutschen Lizenz legal betrieben werden kann. Zuvor war dies ebenfalls geregelt, allerdings zu einer Zeit, als das Internet noch „Neuland“ war und deutsche Behörden illegales Glücksspiel nur selten verfolgten. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag verlor das Argument vieler Inhaber von Glücksspiellizenzen aus Malta oder Curaçao seine Grundlage. Von diesem Zeitpunkt an konnte sich niemand mehr auf rechtliche Unsicherheit darüber berufen, ob solche Lizenzen in Deutschland gelten. Am selben Tag verkaufte Ivan Montik seine Curaçao-Firma Dama N.V. an eine Georgierin namens Nana Gugeshashvili.

Gugeshashvili, Jahrgang 1959, verfügt laut den bei der Glücksspielaufsicht von Curaçao eingereichten Unterlagen über kein nennenswertes Vermögen, hat keine Erfahrung in der iGaming-Branche und online ist kaum etwas über sie zu finden. Ob der Zeitpunkt zufällig war, lässt sich aus den Dokumenten nicht ableiten.

Gugeshashvili besitzt heute ein Unternehmen, bei dem Spieler 2021 insgesamt 510 Millionen Euro verloren und das einen Gewinn von 127 Millionen Euro erwirtschaftete.

Neben der Curaçao-Firma hatte Montik bereits 2017 die N1 Group in Malta gegründet. Sie umfasste mehrere Unternehmen unter einer gemeinsamen Holding, darunter N1 Interactive Ltd. Dieses Unternehmen verfügt über eine lokale Glücksspiellizenz und betreibt weiterhin n1casino, das auch in Deutschland beliebt ist. Ende Dezember 2023 verkaufte Montik diese Gruppe an Werner Hermann – denselben Vertriebspartner von Softswiss für Deutschland, der inzwischen mit seiner Familie auf Zypern lebt. Offenbar unterscheidet sich das Geschäftsmodell von N1 Interactive nicht von dem von Dama N.V. auf Curaçao: dem operativen Betrieb von White-Label-Casinos.

Hermann besitzt heute ein Unternehmen, bei dem Spieler 2023 insgesamt 143 Millionen Euro verloren und das einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftete.

Soweit bekannt, besitzt Montik seit dem Verkauf von N1 Ende 2023 offiziell keine Unternehmen mehr, die unmittelbar Online-Glücksspiel anbieten. Dass diese Unternehmen offiziell nicht mehr ihm gehören, bedeutet jedoch nicht, dass er sie nicht mehr kontrolliert oder von ihnen profitiert.

Im Zusammenhang mit Softswiss hat das Eigentum und der Betrieb einer Casino-Website nichts mit den formalen Eigentumsverhältnissen eines von einer Glücksspielaufsicht lizenzierten Unternehmens zu tun. Montik selbst erklärte 2023 in einem Video mit dem ukrainischen YouTuber Oleg Artyshuk, wie dies funktioniert – also nachdem er offiziell alle Anteile an den Curaçao-Unternehmen verkauft hatte.

Er erklärte, dass aus seiner Sicht der bürokratische Aufwand für den Erhalt von Casino-Lizenzen zu groß und der Aufbau von Zahlungssystemen zu kompliziert sei. Für manche Menschen sah er dies sogar als unüberwindbares Hindernis für den Besitz eines Casinos an. Deshalb habe er beschlossen, Unternehmen in Ländern zu gründen, in denen es für Firmen einfacher sei, Glücksspiel anzubieten – nämlich in Malta und Curaçao. Er habe für seine eigenen Unternehmen Casino-Lizenzen und Konten in diesen Ländern erhalten und seinen Kunden ermöglicht, ihre Casinos über diese Lizenzen zu betreiben.

Für Außenstehende sieht es so aus, als gehörten die Casinos zu Montiks Unternehmen. Auf der Website werden der Name des Unternehmens und die Lizenz angegeben. Spieler zahlen ihre Einsätze auf die Konten des Unternehmens ein. Nicht nur Geld fließt auf diese Konten, auch sämtliche laufenden Kosten werden direkt daraus bezahlt. Somit läuft die gesamte Buchhaltung über dieses Unternehmen.

Am Ende erhalten diese Betreiber einen Anteil am Umsatz des Casinos. In den Bilanzen des Unternehmens wird dies als „Operators Profit“ bezeichnet. Laut den Bilanzen erhalten die Betreiber manchmal weniger als 20 Prozent der von „ihren Spielern“ verursachten Glücksspielverluste. Da jedoch auch hohe Marketingkosten verbucht werden – für die ebenfalls die Casino-Betreiber verantwortlich sind –, kann diese einzelne Kennzahl nicht als zuverlässig angesehen werden.

Während des Wirecard-Prozesses erklärte Montik, er biete „eine Dienstleistung, für die Gebühren gezahlt werden“, „Software und Infrastruktur“, und nicht eine Dienstleistung an, bei der er als Zahlungsdienstleister auftrete. Diese Dienstleistung umfasst offenbar auch den Besitz von Unternehmen mit Glücksspiellizenzen im Auftrag Dritter. Diese Dritten betreiben dann hauptsächlich das Marketing für das Casino und erhalten dafür einen Anteil am Umsatz. Casino-Vermarkter werden üblicherweise Affiliates genannt. Sie bewerben das Casino und erhalten in der Regel einen Anteil an den Einsätzen oder Verlusten der von ihnen geworbenen Spieler. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Casino ihnen normalerweise nicht „gehört“.

Das White-Label-Modell ähnelt somit einem seit Langem bestehenden Geschäftsmodell in der Glücksspielbranche. Es überträgt den „Casino-Betreibern“ lediglich etwas mehr Verantwortung als einem klassischen Affiliate. Sie können beispielsweise selbst entscheiden, wie sie Werbung schalten oder sogar den Kundenservice für Spieler verwalten. Gleichzeitig betont Montik im Gespräch mit YouTuber Artyshuk, dass sein Team seiner Ansicht nach einen besseren Spielersupport bieten könne.

Vor allem bietet dies den „Casino-Betreibern“ den Vorteil, dass sie – zumindest nach den uns vorliegenden Dokumenten – gegenüber Behörden oder Banken nicht unter ihrem eigenen Namen auftreten müssen. Für Außenstehende und nach unseren Informationen auch für die Curaçao Gaming Authority ist nicht erkennbar, wem ein Casino tatsächlich zugeordnet werden kann. Wir konnten dies nur in einzelnen Fällen feststellen.

Wie schwierig es sein kann, die tatsächlichen Personen hinter einem Casino aufgrund solcher Strukturen zu identifizieren, zeigt Platincasino. Seit seinem offiziellen Verkauf im Jahr 2023 gehört es einem Unternehmen, das wir dem Softswiss-Netzwerk zuordnen. Im Zuge unserer Recherche fanden wir jedoch weiterhin zahlreiche Verbindungen zum Unternehmensnetzwerk des früheren Eigentümers Thomas Kallmann.

Platincasino und Thomas Kallmann: Wie Ivan Montik die tatsächlichen Eigentümer von Casinos verbirgt

„Du schaffst eine Struktur, um bestimmte Geschäftsziele zu erreichen“, antwortete Ivan Montik 2025 während des Wirecard-Prozesses auf die Frage, warum er so viele Holdinggesellschaften benötige. Wann immer Fragen zu Glücksspielunternehmen aufkamen, konnte er sich angeblich nicht erinnern und erklärte, das betreffende Unternehmen habe ihm schon lange nicht mehr gehört.

In der heutigen Struktur von Softswiss scheinen die Welten des operativen Glücksspiels und die Welten der Software- und Zahlungsdienstleistungen strikt voneinander getrennt zu sein. Während die Softwareunternehmen Montik, Yaikau und Kashuba gehören, befinden sich sämtliche Glücksspielunternehmen in den Händen von insgesamt fünf Personen.

Vier von ihnen leben in Georgien. Wie Gugeshashvili kann keiner von ihnen mit der Glücksspielbranche in Verbindung gebracht werden, und online sind sie praktisch nicht existent. Selbst an den Adressen, die sie der Glücksspielaufsicht von Curaçao angegeben haben, konnten sie nicht gefunden werden. In einigen Fällen konnten wir die Adressen überhaupt nicht ausfindig machen.

Um jede dieser Personen herum existiert ein ganzes Netzwerk von Unternehmen. Neben Unternehmen auf Curaçao und Zypern besitzen sie auch Firmen in Estland und Costa Rica.

So besitzt Nana Gugeshashvili beispielsweise Spade King Holding auf Zypern. Darunter befinden sich zwei Unternehmen: Dama und Just Entertainment auf Curaçao. Diese wiederum besitzen Zahlungsdienstleister auf Zypern. Eine ähnliche Struktur findet sich auch in den Netzwerken anderer Personen.

Werner Hermann ist die fünfte Person. Als einziger von ihnen verfügt er über zumindest mehr offizielle Verbindungen zur Softswiss-Gruppe und war zuvor in der Glücksspielbranche tätig. Neben dem N1-Netzwerk auf Malta besitzt er drei Unternehmen auf Curaçao, über die offenbar kein Glücksspiel betrieben wird, über die jedoch Softswiss-Software verkauft wird.

Neben den Unternehmen, die die Softswiss-Gründer in den vergangenen Jahren an Strohmänner übertragen oder auf deren Namen gegründet haben, existiert die offizielle Seite von Softswiss.

Während das Imperium der Strohfirma-Käufer in den vergangenen Jahren offenbar weiter wuchs, wurden die offizielle Softswiss-Gruppe und ihre Produkte zunehmend professionalisiert. Neben der Softswiss-Casino-Plattform selbst – also der Software – gehören dazu eine Reihe weiterer Marken und Unternehmen: BGaming für die Entwicklung von Casino-Spielen, Affilka für Affiliate-Management-Software von Unternehmen, die Spieler für Casinos gewinnen, Finteqhub als Plattform für kreative Zahlungsabwicklung sowie Coinspaid und GammaG als Plattformen für die Abwicklung von Krypto-Zahlungen. Für alles, was zum Betrieb eines eigenen Casinos erforderlich ist, hat Softswiss ein eigenes Unternehmen.

Stable Software Solutions, Astol und Wertex: Der offizielle Teil von Ivan Montiks Imperium

Viele dieser Unternehmen gehören zur Stable Software Solutions Limited auf Malta, die Montik, Yaikau und Kashuba über ihre Holdings auf Zypern selbst besitzen. Auch Mitarbeiter werden innerhalb dieses offiziellen Teils von Softswiss beschäftigt.

Von hier aus wird Software an den illegalen Sektor vermietet, unter anderem über die Tochtergesellschaften Wertex und Astol auf der Isle of Man. Dies funktioniert nach dem Software-as-a-Service-Modell. „Unabhängige“ Betreiberunternehmen mieten somit die Software und Infrastruktur offizieller Unternehmen auf Malta. Die Curaçao-Unternehmen zahlen dem legalen Bereich im Gegenzug einen Teil ihrer erzielten Glücksspielverluste für verschiedene Dienstleistungen. Laut den uns vorliegenden Preislisten sind dies beispielsweise 5 Prozent für die Casino-Software selbst oder 12 Prozent für Spiele aus dem eigenen Game-Studio. Ohne einen tieferen Blick in die Unternehmen könnte es so aussehen, als handele es sich lediglich um Kunden von Softswiss.

Von außen sieht es so aus, als hätten die verschiedenen Casino-Betreiberunternehmen nichts miteinander zu tun. Auch die Verbindungen zu den offiziellen Softswiss-Unternehmen sind von außen kaum sichtbar. Erst durch die Analyse interner Dokumente der Glücksspielaufsichtsbehörden von Curaçao und Malta sowie Tausender Dokumente aus Handelsregistern mehrerer Länder konnten wir ein Bild dieses Netzwerks zusammensetzen.

Fakt ist: Operativ tätige Glücksspielunternehmen benötigen Geld, um ihre Tätigkeit aufzunehmen – mehrere Millionen Euro. Da sich diese Unternehmen in den Händen von Personen ohne Vermögen befinden, wie aus den Dokumenten der Curaçao Gaming Authority hervorgeht, können diese nicht einfach selbst in die Unternehmen investieren. Daher gewähren die Unternehmen aller Strohmänner einander Kredite. Geld aus Firmen, die bereits erfolgreiche Casinos betreiben, wird an „neue“ Unternehmen verliehen.

Manchmal wird ein Darlehen von Montiks eigener Holdinggesellschaft vergeben oder ein Unternehmen auf Curaçao gewährt einem Softswiss-Mitarbeiter ein Darlehen. Dadurch entsteht ein dichtes Netz aus Krediten und Geschäftsbeziehungen.

Score55 Tech B.V. und „softswiss sponsored“: Was die Aufsichtsbehörde von Curaçao über Ivan Montik weiß

Die ungewöhnliche Finanzierung der operativ tätigen Glücksspielunternehmen innerhalb des Softswiss-Netzwerks scheint der Glücksspielaufsicht von Curaçao bereits bekannt zu sein. So schreiben Mitarbeiter in einem Compliance-Dokument für Score55 Tech B.V.: „Wenn der letztendliche wirtschaftlich Berechtigte (UBO) – wie wir annehmen – von Softswiss finanziert wird, wird hoffentlich zusammen mit dem überfälligen Nachweis der Mittelherkunft (SOF/SOW) auch ein Darlehensvertrag vorgelegt.“

Die Mitarbeiter der Curaçao Gaming Authority selbst gehen davon aus, dass es sich um von Softswiss finanzierte Lizenzen handelt. In diesem Zusammenhang sprechen sie häufig von sogenannten „softswiss sponsored“-Anträgen und verweisen in Compliance-Dokumenten teilweise auf entsprechende andere Softswiss-Unternehmen.

In einem Bericht über Just Entertainment B.V. vom April 2026 wurde im Wesentlichen festgestellt: Im Fall von Dama gingen die Prüfer noch weiter. In einem internen Memo hielten sie fest, dass sie davon ausgingen, Softswiss erhalte den Großteil des Gewinns.

Die Curaçao Gaming Authority wollte nicht näher erläutern, was der Begriff „sponsored“ bedeutet. Sie erklärte jedoch, dass sich die Regeln für die Erteilung von Lizenzen in den vergangenen Jahren geändert hätten und nur Unternehmen, mit denen die Aufsichtsbehörde vollständig zufrieden sei, eine dauerhafte Lizenz erhielten. Bei den als „softswiss-sponsored“ bezeichneten Unternehmen sei dies tatsächlich der Fall.

In einigen dieser Compliance-Dokumente finden sich außerdem Hinweise wie: „Der Antragsteller setzt keine eigenen Spiele ein. Er verwendet Spiele eines Drittanbieters, Astol Ltd, einem Wiederverkäufer von Softswiss.“ Dies bestätigt, dass die Lizenzierung von Software und Spielen hier direkt über eine Tochtergesellschaft von Stable Software Solutions auf der Isle of Man erfolgt.

Überschneidungen zwischen dem offiziellen und dem inoffiziellen Softswiss-Netzwerk gibt es nicht nur bei der Finanzierung, sondern auch beim Personal. So war Alena Serguieva, die laut ihrem LinkedIn-Profil bei Softswiss Poznań in Polen arbeitet, in mindestens neun Unternehmen, die Softswiss zugerechnet werden, als Chief Financial Officer eingetragen. In dem Lebenslauf, der an die CGA geschickt wurde, wurde ihre Tätigkeit bei Softswiss jedoch nicht erwähnt. In ihrem Fragebogen für die Glücksspielaufsicht gab sie an, selbstständig tätig zu sein.

Aliksandr Markau aus Tbilisi in Georgien ist laut Angaben der Glücksspielaufsicht von Curaçao hingegen AML Officer bei den drei größten Curaçao-lizenzierten Softswiss-Unternehmen nach Umsatz. In seinem Lebenslauf gibt er offen an, seit 2019 für Softswiss zu arbeiten. Laut dem Fragebogen der Glücksspielaufsicht läuft sein Arbeitsvertrag über die Merkeleon GmbH in Pöttelsdorf, Österreich. Dabei handelt es sich um genau dasselbe Unternehmen im burgenländischen Pöttelsdorf, das bereits früh in der Geschichte von Softswiss auftaucht. AML steht hier für „Anti-Money-Laundering“ – eine Position, die Unternehmen mit einer Glücksspiellizenz auf Curaçao seit einiger Zeit besetzen müssen.

Damit steckt in den Casino-Unternehmen auf Curaçao und Malta deutlich mehr als nur Softswiss-Software. Von Finanzierung über Personal, Lizenzen und Buchhaltung wird alles als White-Label-Service angeboten. Montik sagte in einem Interview mit dem ukrainischen YouTuber Oleg Artyshuk: „Wenn jemand Spieler gewinnen kann, kann er mit uns ein Casino aufbauen.“ Denn um alles andere kümmere sich Softswiss.

Ivan Montik investiert Kapital aus illegalem Glücksspiel in Immobilien rund um Berlin

Neun lizenzierte Unternehmen auf Curaçao erzielten 2025 zusammen einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,75 Milliarden Euro auf Glücksspielverluste der Spieler, während der Rest aus Lizenzen und anderen Einnahmen stammte, die in den Bilanzen nicht weiter aufgeschlüsselt wurden. Den größten Umsatz erzielte Dama N.V. mit 1,235 Milliarden Euro. Mehr als 100 Millionen Euro erhielten außerdem Hollycorn N.V. mit 348 Millionen Euro, Just Entertainment B.V. mit 265 Millionen Euro und Latiform B.V. mit 131 Millionen Euro.

Zwei Milliarden Euro Umsatz bedeuten jedoch nicht, dass dieses Geld bei den Unternehmen auf Curaçao verbleibt. Im Gegenteil: 2025 verbuchten diese Unternehmen zusammen einen Verlust von rund 181 Millionen Euro. Ein Blick in ihre Bilanzen zeigt, wohin große Teile der Einnahmen fließen.

2 Milliarden Euro Umsatz und 181 Millionen Euro Verlust: Wohin Ivan Montik das Casino-Geld abzieht

Bei einer detaillierten Betrachtung der Bilanzen finden sich Positionen wie „Operators Profit“, teilweise auch als „Services for Operations“ bezeichnet. 2025 beliefen sich diese bei allen Curaçao-Unternehmen zusammen auf 365 Millionen Euro. Das entspricht 17,7 Prozent des Gesamtumsatzes. Vermutlich handelt es sich dabei um Gelder, die an Kunden des White-Label-Angebots – also Betreiber und je nach Perspektive Eigentümer der Casinos – ausgezahlt werden.

Während die Unternehmen 181 Millionen Euro Verlust machen, werden vermutlich 365 Millionen Euro an White-Label-Kunden ausgezahlt.

Darüber hinaus führen die Bilanzen Positionen wie „Marketing and advertising“, „General affiliate expenses“ und „Software services“ auf, die jeweils Hunderte Millionen Euro ausmachen. Da Softswiss Lösungen in all diesen Bereichen anbietet, dürfte ein Teil der Einnahmen innerhalb der Gruppe verbleiben. Ein anderer Teil könnte jedoch auch an die „Casino-Betreiber“ fließen.

Insgesamt weisen sieben analysierte Unternehmen rund 106 Millionen Euro an Softwarekosten aus. Verträge mehrerer Unternehmen zeigen, dass sie Softswiss-Software über Astol beziehen – ein Unternehmen aus der offiziellen Softswiss-Gruppe. Dies entspricht etwa 5,1 Prozent des Umsatzes. Die ausgewiesenen Softwarekosten stehen jedoch nicht in einem einheitlichen Verhältnis zu den Glücksspielverlusten. So gab Dama 2025 38 Millionen Euro für Software aus, während die Bilanz von Hollycorn 51 Millionen Euro ausweist. Die Glücksspielverluste bei Dama waren jedoch viermal höher als bei Hollycorn.

Zwei Milliarden Euro Umsatz bedeuten nicht, dass der Gewinn letztlich bei den Unternehmen auf Curaçao verbleibt oder dass die formalen Eigentümer überhaupt Auszahlungen erhalten. Es bedeutet lediglich, dass dort zwei Milliarden Euro eingehen und anschließend weiterverteilt werden.

Ein Blick auf die Bilanzen einiger Jahre zuvor zeigt ein weiteres Modell, mit dem Geld aus der Struktur offenbar an die Eigentümer der offiziellen Softswiss-Organisation übertragen wurde.

Am 15. November 2022 kaufte Gugeshashvili über Spade King Holding Befree Limited für 68,996 Millionen Euro von Montik, Yaikau und CAPITAL WW INVESTMENT LIMITED, das zuvor vermutlich in Softswiss investiert hatte. Spade King Holding ist das Unternehmen, das auch Dama N.V. besitzt, das zu diesem Zeitpunkt einen Umsatz von 306 Millionen Euro erzielte.

Diese Transaktion hinterließ vermutlich auch Spuren in den Bilanzen von Montiks und Yaikaus Holdings: Bitcapital und Primefuture verbuchten 2022 jeweils einen Gewinn von 23,487 Millionen Euro unter dem Posten „Profit from sales of financial assets at fair value through profit or loss“.

Zu diesem Zeitpunkt besaß Befree Limited ein estnisches Glücksspielunternehmen, das heute unter dem Namen Befuria GO OÜ firmiert. Im Jahr der Übernahme lag dessen Umsatz bei weniger als einer Million Euro, 2025 betrug der Umsatz lediglich 8 Millionen Euro. Laut Bilanz besaß das Unternehmen außerdem Rechte an der Software „Games Recommendation Engine“.

Die Geschichte rund um Befree Limited könnte jedoch weitaus komplexer sein, da es unter anderem einen Rechtsstreit zwischen den Eigentümern von CAPITAL WW INVESTMENT LIMITED und anderen Eigentümern gab. Auf Grundlage der verfügbaren Dokumente bleibt die Bewertung von 69 Millionen Euro schwer nachvollziehbar.

„Du schaffst eine Struktur, um bestimmte Geschäftsziele zu erreichen“, sagte Montik.

Alena Serguieva und Aliksandr Markau: Ivan Montiks Mitarbeiter, die „vergaßen“, Softswiss zu erwähnen

Auf dem Papier befinden sich die operativen Glücksspielunternehmen in Curaçao, Malta und Costa Rica. Die Personen, die die offizielle Softswiss-Gruppe kontrollieren, leben dagegen teilweise in Deutschland.

Hier rätseln Aufsichtsbehörden und Strafverfolgungsbehörden seit Langem darüber, wem die zahlreichen Casinos gehören, die inzwischen dem Softswiss-Netzwerk zugerechnet werden können. Die Mehrheitseigentümer von Softswiss – und vermutlich die Hauptprofiteure dieser Casinos – leben derweil genau hier, in Reichweite der deutschen Strafverfolgungsbehörden.

Die Eigentümer von Softswiss leben nicht nur hier. Sie investieren auch das Kapital ihrer zypriotischen Holdinggesellschaften hier – Kapital, das vermutlich aus illegalem Glücksspiel stammt. Gemeinsam investieren sie über die sogenannte Chance Foundation unter anderem in Immobilienprojekte rund um Berlin: Funkytown, ein großes neues Büroviertel an der Spree, Green Living Heidesee, nachhaltig errichtete Wohnhäuser in Gussow, oder Parwerk GmbH, die den Betrieb eines Badehauses anstrebt.

Weder Montik selbst noch die Softswiss-Gruppe, die an den Briefkastenfirmen beteiligten Mitarbeiter oder die mutmaßlichen Strohmänner, die Unternehmen auf Curaçao besitzen, wollten zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Der einzige telefonisch erreichbare Ansprechpartner auf Zypern war Werner Hermann. Nach einem einzigen, wenig aufschlussreichen Gespräch lehnte er jedoch weitere Auskünfte ab.

Bevor Montik Softswiss gründete, war er selbst Journalist und bezeichnet sich bis heute als Menschenrechtsaktivist. Er leitete das belarussische Büro des ukrainischen Medienunternehmens Bigmir.net. Er gehört zu den 25 Mitgründern des European Centre for Press and Media Freedom in Leipzig. 2020 sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass er in Berlin lebe.

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