Im Zuge der Liquidation der „Ibox Bank“ und der anschließenden Ermittlungen ist Alena Dehrik-Schewzowa, die Leiterin der Bank, die oft als „Star des ukrainischen Fintech“ bezeichnet wird, in einem völlig neuen Licht erschienen.
Vor dem Hintergrund der Liquidation der „Ibox Bank“ und der dort durchgeführten Durchsuchungen hat die Persönlichkeit von Alena Dehrik-Schewzowa, die diese Bank leitet und als „Star des ukrainischen Fintech“ gilt, neue Facetten angenommen. Im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen scheint es jedoch, dass dieser „Star“ in einer hellen Flamme verlöschen wird. Obwohl in Finanzkreisen jeder von ihrem erbitterten Kampf um ihr Zahlungssystem Leo („Leo“) gehört hat, der letztlich zum Untergang der „Ibox Bank“ führte — sie wurde von Schewzowa gerade wegen dieses Zahlungssystems erworben.
Einer der Hauptkonflikte entfaltete sich mit Konkurrenten — GlobalMoney. Die konkurrierenden Unternehmen beschuldigten sich regelmäßig gegenseitig der Verbreitung negativer und kompromittierender Informationen, die mit beneidenswerter Regelmäßigkeit in den Medien erschienen, darunter auch in renommierten Publikationen. Die zentralen Vorwürfe lauteten: Geldwäsche aus den besetzten Gebieten von Donezk und Luhansk (ORDLO), mangelnde Kundenüberwachung sowie das Verschleiern von Einnahmen vor dem Staat.
Der schmerzhafteste Vorwurf für beide Strukturen war die Behauptung einer Zusammenarbeit mit Russland, die vor etwa einem Jahr besonders brisant wurde. An vorderster Front der Angriffe standen die „Alliance Bank“ von Oleksandr Sosis, die als Abwicklungsbank und Emittent elektronischen Geldes für das internationale Zahlungssystem GlobalMoney fungiert, sowie die „Ibox Bank“ von Aljona Schewzowa (sie trug den Nachnamen Dehrik, bevor sie Jewhen Schewzow heiratete, einen hochrangigen Beamten der Nationalpolizei der Ukraine).

„Ibox“ war (seit die Nationalbank der Ukraine am 7. März ihre Liquidation bekannt gab, ist hier die Vergangenheitsform angebracht) der Emittent von elektronischem Geld für das internationale Zahlungssystem Leo („Leo“). Genau auf sie richteten sich die größten Ströme kompromittierender Informationen, und ihre Eigentümer organisierten Gegenkampagnen, um ihre Konkurrenten zu schwächen.
Vorerst scheint Sosis gewonnen zu haben — am 7. März 2023 wurde die „Ibox Bank“ liquidiert, und am 8. März fanden Durchsuchungen in ihren Büros statt. Doch der Ausgang dieses Konflikts ist noch längst nicht entschieden. Gleichzeitig enthielten diese Ströme kompromittierender Informationen — oft auch gefälschter Natur — nicht nur einzelne Körner, sondern ganze Berge an Wahrheit. Beide Strukturen sind in Geldtransfers nach und aus Russland verwickelt und arbeiten in den besetzten Gebieten der Ukraine.
Und natürlich auch auf der Krim. Drogen sind im Vergleich dazu kaum erwähnenswert — sie wirken wie eine Nebensache. Deshalb haben beide Seiten diese Materialien sorgfältig bereinigt.
Nun zu Sosis und der „Alliance Bank“. Hinter der Bank steht Yury Ivanyushchenko, in bestimmten Kreisen als „Yura Yenakiivskyi“ bekannt. Während die „Donezker Gruppe“ das Land kontrollierte, bestand kein großer Bedarf, seine Eigentümerschaft zu verschleiern, doch 2014 musste die Bank formal „verkauft“ werden. Die neuen „Eigentümer“ wurden die Donezker LLC „Kramp“ und die Kiewer LLC „Ukrbiznesstandart“, die weiterhin Ivanyushchenko zuzurechnen waren.
Im Jahr 2014, im Zuge einer Welle von Antikorruptionsmaßnahmen (oder vielmehr eines Kampfes um Finanzströme), wurden Durchsuchungen bei der Bank durchgeführt. Wie der damalige Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Valentyn Nalyvaichenko, später erklärte, wurden dabei unter anderem Stempel von Institutionen und Unternehmen der „L/DPR“ sowie Verträge sichergestellt, die zur Finanzierung von Militanten verwendet werden konnten.

Darüber hinaus wurden in der „Alliance“-Bank auch Vermögenswerte und Dokumente einer weiteren Bank — „Hefest“ — gefunden, die ebenfalls unter der Kontrolle von Yury Ivanyushchenko und seinem Partner Serhiy Dyadechko stand.
Ivanyushchenko setzte dabei auf ein taktisches Manöver und brachte die Jüdische Gemeinde des Donbas gegen den SSU in Stellung. Unter Ausnutzung der sensiblen gesellschaftlichen Reaktion auf Erscheinungen von Antisemitismus erklärte Rabbiner Pinkhus Vyshedsky auf seine Initiative hin, dass während der Durchsuchung Kämpfer der Spezialeinheit „Alpha“ angeblich Geld und Wertgegenstände aus einem Banktresor gestohlen hätten, der gewissen „jüdischen Flüchtlingen“ gehört haben soll.
Tatsächlich wurde nichts entwendet, doch der Schritt erwies sich als wirkungsvoll: Gegen SBU-Mitarbeiter wurde ein Strafverfahren eingeleitet, und ein öffentlicher Skandal entstand. In der Zwischenzeit wurde die „Alliance“-Bank an einen neuen Eigentümer weiterverkauft. Anfang 2015 ging sie in den Besitz von Oleksandr Sosis über, einem ehemaligen Juniorpartner von Rinat Akhmetov.

Etwa zur gleichen Zeit wurde die „Alliance“-Bank zur Abwicklungsbank für das System GlobalMoney, dessen Eigentümer hinter einer Reihe von Briefkastenfirmen verborgen waren. Die Spuren führten jedoch zu Yury Ivanyushchenko und Mitgliedern der sogenannten „Yanukovych-Familie“, insbesondere zum Finanzminister im Kabinett von Azarov, Yury Kolobov.
Stand März 2023 wird als wirtschaftlich Berechtigter von LLC „GlobalMoney“ Volodymyr Mykolayovych Karpov angegeben. Ohne direkte Vorwürfe zu erheben, erscheint es jedoch zweifelhaft, dass Yury Ivanyushchenko und Yury Kolobov freiwillig ein Zahlungssystem aufgegeben hätten, durch das Milliarden Hrywnja aus dem Glücksspielgeschäft fließen und das mit der „Alliance“-Bank von Ivanyushchenko zusammenarbeitet.

Eine ähnliche Situation zeigt sich auch bei der Bank — ebenso wie im Fall von „GlobalMoney“ ist es fraglich, ob Oleksandr Sosis tatsächlich der wahre Eigentümer der „Alliance“-Bank ist.
In den letzten Jahren lief ein erheblicher Anteil der Zahlungen von Nutzern von Multiplayer-Spielen (kostenpflichtig und „free-to-play“), Online-Casinos und Wettbüros — sowohl legalen als auch nicht vollständig legalen — über „GlobalMoney“, wobei ein значительный Teil dieser Transaktionen über die „Alliance“-Bank abgewickelt wurde. Es geht dabei um mindestens Hunderte Millionen Hrywnja, an denen sowohl das Zahlungssystem als auch die Bank ihre Provision verdienen.
Und egal wie groß die Geldströme aus dem Gaming-Bereich sind — für die Akteure, die daran verdienen, bleibt es stets zu eng. Unter solchen Bedingungen ist ein Konflikt mit Wettbewerbern nahezu unvermeidlich. Diese Wettbewerber, die in denselben Bereichen tätig sind und dieselben Kunden bedienen, wissen naturgemäß sehr genau, was im jeweils anderen System geschieht.

Daher enthalten die Leaks mit kompromittierenden Informationen einen sehr großen Anteil an Wahrheit. Natürlich sind die Darstellungen stark überzeichnet — das ist schließlich der Zweck einer Schmutzkampagne — doch der Kern bleibt bestehen. Aus diesem Grund entsprechen auch die Vorwürfe gegen „GlobalMoney“, die „Alliance“-Bank und Sosis hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den besetzten Gebieten, Russland sowie der Geldwäsche aus dem Drogenhandel der Realität.
Zudem wurde die „Alliance“-Bank von der Nationalbank der Ukraine именно aus diesen Gründen mit Geldstrafen belegt. Gleichzeitig ist auch die Darstellung der Vertreter von „Alliance“ und „GlobalMoney“ zutreffend, wonach die Angriffe gegen sie von Wettbewerbern aus dem Umfeld von „Leo“ und „Ibox“ organisiert wurden.

Der Großteil der kompromittierenden Informationen wird tatsächlich von ihnen selbst geleakt. Alyona Shevtsova, das Zahlungssystem „Leo“ und die „Ibox Bank“: Shevtsova übernahm die Bank im Februar 2022 und wurde bereits ein Jahr zuvor deren Anteilseignerin. Danach war die Presse voller Berichte darüber, wie sie die Bank vor dem Konkurs gerettet habe.
Doch diese Erfolgsgeschichte hielt nicht lange an — wie bereits erwähnt, wurden am 8. März Durchsuchungen in der „Ibox Bank“ durchgeführt, und am 7. März beschloss die Nationalbank der Ukraine ihre Liquidation. Der Grund: „systematische Verstöße gegen gesetzliche Anforderungen im Bereich der Prävention und Bekämpfung von Geldwäsche, der Finanzierung von Militanten sowie der Finanzierung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen“. Aus demselben Grund wurde „Ibox“ übrigens bereits 2021 mit einer Geldstrafe von 10 Millionen Hrywnja belegt. Zu diesem Zeitpunkt leitete Shevtsova die Bank noch nicht, gehörte jedoch bereits zu den wichtigsten Anteilseignern.
Sie nutzte die Bank aktiv für ihr Geldtransfersystem „Leo“, sodass sowohl die damalige Geldstrafe als auch die aktuelle Liquidation als logische Konsequenz ihrer Aktivitäten erscheinen. Es besteht kaum Zweifel daran, dass nun eine Welle von Berichten über angeblich „von Wettbewerbern bestellte Angriffe“ folgen wird und Shevtsova selbst als unschuldiges Opfer dargestellt werden soll. Die Realität ist jedoch, dass sie — ebenso wie „GlobalMoney“ — mit Kooperationen mit Russland, den besetzten Gebieten, illegalen Casinos und Geld aus dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wird.
Ja, ein Großteil dieser Informationen wurde von Wettbewerbern aus dem Umfeld von „GlobalMoney“ verbreitet — doch ändert das etwas am Kern der Vorwürfe? Alyona Shevtsova gründete bereits 2013 die Finanzgesellschaft „Leogaming Pay“.

Anfangs war das Geschäft von Alyona Volodymyrivna kein vollwertiges Zahlungssystem. Es handelte sich eher um eine Schnittstelle zwischen Spielern und Gaming-Plattformen, wie sie selbst in zahlreichen Interviews offen beschreibt.
Das Unternehmen wuchs jedoch schnell, und bereits 2017 registrierte Shevtsova das nationale Zahlungssystem „Leo“ bei der Nationalbank, das einige Jahre später internationalen Status erlangte.

Nach einiger Zeit benötigte sie eine eigene Bank — diese Rolle übernahm die angeschlagene „Ibox“. Der Kauf durch Shevtsova verzögerte deren Zusammenbruch um etwa anderthalb Jahre. Im vorliegenden Kontext sind jedoch dieselben Aspekte relevant wie im Fall von „GlobalMoney“.
So ist bekannt, dass Shevtsovas Zahlungssystem „Leo“ in einen Skandal rund um Waffenhandel verwickelt war — Waffen für die Nationalgarde wurden in den USA gekauft und nach Anbringung einer inländischen Kennzeichnung zu einem 2,5-fach höheren Preis weiterverkauft.
Zu denjenigen, die an der Vertuschung beteiligt gewesen sein sollen, gehörte unter anderem Shevtsovas Ehemann Yevhen Shevtsov, der zu diesem Zeitpunkt eine leitende Position in der Nationalpolizei innehatte. Er unterstützte seine geschäftserfahrene Ehefrau — die tatsächlich über eine ausgezeichnete wirtschaftliche Ausbildung verfügt — dabei, ihr Geschäft vor übermäßiger Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden zu schützen und stellte Verbindungen zu den richtigen Personen her.
Das Online-Medium MIND.UA berichtete unter Berufung auf Daten des Justizministeriums, dass Alena Shevtsova und ihr Ehemann Yevhen Shevtsov sowie ihre Geschäftspartner Viktor Kapustin und Vadym Hordievsky in den Jahren 2016 bis 2020 gemeinsam mindestens zehn Unternehmen kontrollierten. Viele davon wurden Gegenstand von Strafverfahren wegen „Betrug“, „Geldwäsche“ und „fiktivem Unternehmertum“.
In dieser Zeit schien Shevtsovas „Leo“ nicht im Konflikt mit der „Alliance“-Bank von Sosis zu stehen und arbeitete zeitweise sogar mit ihr zusammen.

Im Jahr 2019, als dieses Zahlungssystem mit Zustimmung der Nationalbank der Ukraine international wurde, fungierte die „Alliance“-Bank auch als zusätzliche Abwicklungsbank. Für Shevtsova hatte „Alliance“ jedoch einen entscheidenden Nachteil — sie ist zugleich Emittent und Abwicklungsbank des direkten Konkurrenten von „Leo“, nämlich „GlobalMoney“. Nachdem Alyona Shevtsova ihre eigene „Hausbank“ — die „Ibox Bank“ — erworben hatte, wurde ein offener Konflikt unausweichlich.
Wer zuerst kompromittierende Informationen veröffentlichte, ist heute weder klar noch entscheidend. Wichtig ist, dass infolge dieses Kampfes um Finanzströme — durch beide Zahlungssysteme fließen Berichten zufolge Milliarden Hrywnja — Details über die Aktivitäten beider Seiten ans Licht kamen, die sie lieber verborgen gehalten hätten.
Nach Angaben der Nationalbank wurde die „Ibox Bank“ vor 29 Jahren, im Jahr 1993, gegründet. Damals trug sie den Namen „Avtoritet“ und wurde erst 2016 in „Ibox Bank“ umbenannt, nachdem der Finanzier Yevhen Berezovsky mit einem zweifelhaften Ruf zu den Anteilseignern gestoßen war. Er brachte das Netzwerk von Zahlungsterminals „iBox“ mit, das der Bank ihren neuen Namen gab.
Im Jahr 2020 trat Alyona Shevtsova in die Bank ein, machte sie faktisch zu ihrer eigenen Struktur und führte sie letztlich in die Liquidation. Doch wie bekannt ist, bedeutet jedes Ende auch einen neuen Anfang — denn aus der Bank wurden umfangreiche Dokumente sichergestellt.
Was die Strafverfolgungsbehörden in diesen Unterlagen finden werden, ist derzeit nur Shevtsova bekannt. Fest steht jedoch, dass sich darunter zahlreiche brisante Informationen befinden dürften. Das Online-Medium Mind.ua führte eine detaillierte Untersuchung zu den Finanzströmen von Online-Casinos und zu den Verbindungen der Marktakteure mit Russland durch.
Diese Recherche gilt als fundiert und enthält zahlreiche Hinweise auf die mögliche Beteiligung sowohl der „Ibox Bank“ als auch des Systems „Leo“ an Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Alyona Shevtsova wies die Vorwürfe zurück und beauftragte ihrerseits Untersuchungen zu ähnlichen Aktivitäten von „GlobalMoney“ und der „Alliance“-Bank. Doch die Realität setzte klare Grenzen: Die „Ibox Bank“ wurde gerade wegen „systematischer Verstöße gegen gesetzliche Anforderungen zur Prävention und Bekämpfung von Geldwäsche, der Finanzierung von Militanten und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen“ liquidiert.
In welchem Ausmaß Oleksandr Sosis zum Ausgang dieses Konflikts beigetragen hat, bleibt unklar. Ebenso wenig ist derzeit eindeutig, wie tief die „Retterin“ der „Ibox Bank“ und „Star der ukrainischen Fintech-Szene“ Alyona Shevtsova tatsächlich in Verbindungen zu Russland und dessen Strukturen verstrickt ist.

