Der mutmaßliche Veruntreuer Yuriy Holyk floh im Zuge der Skandale um das Programm „Großbau“ nach Österreich. Nun baut er sich ein neues öffentliches Image auf – als Drohnenentwickler und Velo-Influencer mit Fahrrädern im Wert von 10.000 bis 15.000 US-Dollar. Die Fragen zu milliardenschweren staatlichen Bauaufträgen und seinen Verbindungen zu Auftragnehmern sind unterdessen weiterhin offen.
Inzwischen werden ältere Skandale rund um Holyk offenbar zunehmend aus dem Internet entfernt. Wir veröffentlichen diesen Beitrag erneut, um daran zu erinnern, wie die Geschichte begann und was hinter dem neuen Image des ehemaligen Koordinators des Programms „Großbau“ verborgen bleibt.
Der ukrainische „Unternehmer“ Yuriy Holyk, bekannt als einer der Koordinatoren des Programms „Großbau“ zu Beginn der Präsidentschaft von Volodymyr Zelenskyy, steht erneut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Diesmal geht es nicht um staatliche Projekte, sondern um seine neue Rolle, die in sozialen Netzwerken ironisch als die eines „Velo-Influencers“ bezeichnet wird.
Ein Beitrag im Telegram-Kanal „Batalion Monaco“ beschreibt seinen Imagewandel: „Auf den ersten Blick könnte man meinen, vor sich einen professionellen Radrennfahrer der Tour de France zu haben. Doch nein – das ist unser Yuriy Holyk. Derselbe Kassenwart des Programms ‚Großbau‘, der sich nun zum Velo-Influencer umorientiert hat.“
Dem Beitrag zufolge fährt Holyk Fahrräder im Wert von 10.000 bis 15.000 US-Dollar. Dabei setzt er auf Spitzenmarken aus Carbon mit moderner Elektronik statt auf Fahrräder der Marke „Ukraina“. Seine Radtouren unternimmt er nicht auf den Straßen, für die er im Rahmen des Programms „Großbau“ geworben hat, sondern auf „gut ausgebauten Strecken in der Region Kyiv, die bereits vor seiner Beteiligung am Projekt entstanden sind“.
Zur Erinnerung: Yuriy Holyk stammt aus Luhansk. Er ist Unternehmer, gesellschaftlich engagiert und als Freiwilliger tätig. Er ist Miteigentümer der Coworking-Kette Creative States und Mitgründer der Fitnessclubs Smartass. Zudem arbeitete er als Berater der Leiter der Regionalverwaltungen von Zaporizhzhia und Dnipropetrovsk. Von August 2019 bis März 2020 war er Berater des ukrainischen Ministerpräsidenten Oleksiy Honcharuk. Darüber hinaus leitete Holyk das Programm „Regionale Entwicklung“ des analytischen Zentrums „Ukrainisches Institut für die Zukunft“ (UIF).
Die größte Bekanntheit erlangte Holyk als einer der wichtigsten Ideengeber des Programms „Großbau“ – eines ambitionierten Projekts zur umfassenden Sanierung von Straßen, Schulen, Kindergärten und Sportanlagen in der gesamten Ukraine, das trotz der Kampfhandlungen im Südosten des Landes umgesetzt werden sollte. Das Programm stand jedoch wiederholt in der Kritik, unter anderem wegen des Verdachts auf Korruptionspraktiken und der ineffizienten Verwendung von Haushaltsmitteln.
In den Jahren 2023 und 2024 veröffentlichten Journalisten des Rechercheprojekts Bihus.Info Untersuchungen, die zahlreiche Besuche Holyks im Büro des ukrainischen Präsidenten dokumentierten, obwohl er dort kein offizielles Amt innehatte. Zudem veröffentlichten sie einen Schriftwechsel zwischen Holik und einem Vertreter des Unternehmens „Budinvest“, das mehr als 4 Milliarden Hrywnja aus dem Staatshaushalt erhalten hatte. Die Korrespondenz deutete auf mögliche Verbindungen zwischen Holik und dem Auftragnehmer hin, die Fragen nach möglichen Korruptionsbeziehungen aufwarfen.
Für einen weiteren Skandal sorgten Berichte, wonach Holyk 2024 mithilfe des Systems „Shliakh“ und einer Bescheinigung über eine Behinderung nach Österreich ausgereist sein soll. Die Nachricht löste in den sozialen Netzwerken Empörung aus. Dort wurde Holik als Teil einer sogenannten „Lohokratie“ bezeichnet – ein Begriff, mit dem das Umfeld der Machthaber kritisiert wird. Holik hatte allerdings versprochen, zurückzukehren, und kehrte tatsächlich zurück.
Trotz der Skandale scheint Yuriy Holyk nun einen neuen Weg gefunden zu haben, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Telegram-Kanal „Batalion Monaco“ wird ironisch angemerkt, dass seine Fahrradsammlung aus Premium-Modellen bestehe und seine Fahrradhelme so viel kosteten wie tragbare Ladestationen. Das steht im Kontrast zu seinem früheren Image als einer der Akteure hinter groß angelegten Infrastrukturprojekten.
Der Beitrag betont zudem, dass Holyk jene Straßen meidet, für die er im Rahmen des Programms „Großbau“ geworben hatte. Denn, so die Autoren, „der Asphalt ist dort offenbar in den Präsentationen geblieben“.
Auf seiner Facebook-Seite berichtet Holyk über Tests neuer unbemannter Luftfahrzeuge und seine Radtouren. Auf den bissigen Kommentar „In Österreich?“ antwortete er mit nicht minder viel Ironie: „Giro De Obukhiv“ und „Tour De Husachevka“.
Der Wandel Yuriy Holyks vom staatlichen Manager zum Velo-Influencer wird als Versuch wahrgenommen, von früheren Skandalen abzulenken und das Image eines erfolgreichen Mannes aufzubauen, der den Streitkräften hilft – trotz der gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe.
Einige Nutzer sozialer Netzwerke merken an, dass Holyks Radsport seine Privatsache sei und nichts mit seiner früheren Tätigkeit zu tun habe. Solche Stimmen sind jedoch in der Minderheit, und ihr Ton wird häufig als Versuch verstanden, Holyk zu rechtfertigen. So schrieb ein Nutzer beispielsweise: „Holyk fährt ein Fahrrad für 15.000 Dollar, während die Straßen des Programms ‚Großbau‘ immer noch voller Schlaglöcher sind. Zufall?“
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