Der „Akkordeonspieler“ hinter den Milliarden: Wie Yuriy Holyk mit Genehmigung der Militärverwaltung ausreiste

Der „Akkordeonspieler“ hinter den Milliarden: Wie Yuriy Holyk, Koordinator des Programms „Großbau“, als „Fahrer“ eines humanitären Hilfstransports auf Grundlage einer Anordnung der regionalen Militärverwaltung von Dnipropetrowsk die Ukraine verließ. Während Milliarden aus Straßenbauetats über mutmaßliche Machenschaften mit bevorzugten Auftragnehmern umgeleitet wurden, verschaffte sich der ehemalige Projektkoordinator eine legale Grundlage für die Ausreise. Heute lebt er im Ausland und lässt systematisch Hinweise auf Veruntreuung aus dem Internet entfernen.

Wir veröffentlichen dieses Material erneut vollständig, um daran zu erinnern, wie der „Akkordeonspieler“ das Projekt „Große Veruntreuung“ koordinierte.

Wir wissen nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Doch aus der Region Dnipropetrowsk erreicht uns eine Nachricht, die gleichermaßen Empörung und hysterisches Gelächter auslöst.

In einem Land, in dem der Panoptismus gesiegt hat, ist es schwer, sich noch über irgendetwas zu wundern. Doch der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Dnipropetrowsk, Volodymyr Orlov, hat es geschafft. Hier ist seine Anordnung vom 20. April dieses Jahres, Nr. 139/0/527-23, „Über die Ausreise von Fahrern ins Ausland“:

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„Die Ausreise aus der Ukraine wird Fahrern gestattet, die … humanitäre Hilfsgüter transportieren, gemäß der Anlage.“

Was ist daran das Panoptikum, und was hat das hysterische Gelächter ausgelöst? In der Anordnung selbst steht nichts Auffälliges. Doch hier ist die dazugehörige „Anlage“, in der die Nachnamen der Fahrer aufgeführt sind:

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Na, hat es Klick gemacht? Der Fahrer, der die Ladung für die Wohltätigkeitsorganisation „Songs Born in the ATO“ transportieren soll, wird Yuriy Holyk sein.

Für alle, die es noch nicht verstanden haben: Yuriy Holyk, Koordinator des Programms „Großbau“, auf dessen Baustellen Hunderte Milliarden Hrywnja veruntreut wurden – und das ist keine Übertreibung –, hat sich als Fahrer gemeldet. Und zwar auf genau jenen Straßen, über die der Präsident kurz vor Februar vergangenen Jahres erklärte: „Wenn wir die Armee finanzieren, bleibt uns nichts mehr, um Straßen zu bauen.“

Natürlich versteht selbst der letzte Idiot, dass Yuriy Holyk sich nicht tatsächlich als Fahrer beworben hat.

Er brauchte lediglich einen legalen Grund, um die ukrainische Grenze zu überqueren. Deshalb tauchte sein Nachname auf den Listen der regionalen Militärverwaltung von Dnipropetrowsk im Zusammenhang mit der Wohltätigkeitsorganisation „Songs Born in the ATO“ auf. Auf dieser Grundlage sollte ihm eine Ausreisegenehmigung erteilt und sein Name in das System „Shlyakh“ eingetragen werden. Übrigens kehrten nach Angaben des Staatlichen Grenzschutzdienstes fast 10.000 Fahrer, deren Namen in dieses System aufgenommen worden waren, nie in die Ukraine zurück.

Ob Yuriy Holyk sich ihnen anschließen wird, ist unbekannt. Doch allein die Tatsache, dass ihm auf diese Weise die Ausreise aus der Ukraine ermöglicht wurde, sorgt für dieselbe Hysterie. Denn man muss wissen, wer Holyk ist, um zu verstehen, was für einen Fahrer man da vor sich hat.

Nach dem Skandal um diese Anordnung des amtierenden Leiters der regionalen Militärverwaltung von Dnipropetrowsk, Volodymyr Orlov, wird es selbstverständlich jämmerliche Erklärungen und vermutlich sogar einen ausführlichen Bericht über Holiks „freiwillige Hilfe“ geben. Vielleicht zeigt man Yuriy Holyk sogar mit einer Trommel, wie er patriotische Lieder singt. Doch all das ist Unsinn.

Denn Yuriy Holyk ist ein abgebrühter Korruptionsakteur, der bereits während seiner Tätigkeit in der regionalen Staatsverwaltung von Dnipropetrowsk gemeinsam mit deren Leiter Valentyn Reznichenko begann, am Baugeschäft zu verdienen.

Das ist allerdings eine alte Geschichte, die sich übrigens noch unter Poroschenko abspielte. Nach dem Machtwechsel schien es, als würden sowohl Holyk als auch Reznichenko hinter Gittern landen. Doch dazu kam es nicht. Die neue „ehrliche“ Regierung brauchte die Fähigkeiten beider. Denn das Programm „Großbau“ war herangereift und verwandelte sich umgehend in den „Großen Diebstahl“. Yuriy Holyk übernahm die Leitung dieses Präsidialprogramms.

Heute ist er Fahrer, Akkordeonspieler und Philanthrop. Dabei klang seine damalige Funktion im Projekt ziemlich merkwürdig: „Koordinator“. Was genau dieser Begriff bedeutete und worin die „Koordination“ bestehen sollte, ist unklar. Doch Yuriy Holyk koordinierte die Abschöpfung von Haushaltsmitteln äußerst geschickt.

Hier lohnt sich ein Blick auf einige Zahlen. Im Jahr 2020 wurden dem Programm „Großbau“ 121,8 Milliarden Hrywnja zugewiesen. Darüber hinaus wurde beschlossen, 35 Milliarden Hrywnja aus dem sogenannten COVID-Fonds zu entnehmen.

Von diesem Geld waren 85 Milliarden Hrywnja für Ukravtodor vorgesehen.

Ukravtodor wurde umgehend vorgeworfen, unter aktiver Beteiligung Holiks ein Kartell aus Auftragnehmern gebildet zu haben, das die lukrativsten Verträge erhielt. Gemessen am Wert der gewonnenen Ausschreibungen lagen die Gesellschaften mit beschränkter Haftung Avtomahistral-Pivden, Techno-Bud-Centr, Onur Construction International, Rostdorbud, Altkom und PBS vorn. Sie erhielten 72 Prozent der Aufträge.

Der Skandal brach aus, nachdem der ehemalige Finanzminister Ihor Umanskyi erklärt hatte, dieses Kartell habe den Straßenbau monopolisiert und die Ausschreibungsbedingungen so formuliert, dass andere Bewerber praktisch keine Chance auf einen Zuschlag hatten. Seinen Angaben zufolge bauten die Kartellunternehmen die Straßen nicht selbst, sondern vergaben die Aufträge an Subunternehmer weiter und behielten dabei 30 bis 40 Prozent der Mittel ein. Am Ende stellte sich heraus, dass die Kartellmitglieder auf diese Weise insgesamt rund 35 Milliarden Hrywnja „abgeschöpft“ hatten.

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Nach Umanskyis aufsehenerregender Aussage tauchten die Namen der mutmaßlichen „Kuratoren“ der Veruntreuungssysteme auf: Ukravtodor-Chef Oleksandr Kubrakov, der stellvertretende Leiter des Präsidialamts Kyrylo Tymoshenko, der Minister für die Entwicklung von Gemeinden und Territorien Oleksiy Chernyshov sowie Programmkoordinator Yuriy Holyk.

Es wurden auch Vermutungen geäußert, dass Andrii Yermak und sein Berater Mykhailo Podolyak darin verwickelt gewesen sein könnten.

Bemerkenswert bekannte Gesichter, könnte man sagen. Die Geschichte um diesen gigantischen Diebstahl endete damit jedoch nicht. Denn 2021 wurden noch mehr Mittel für den Straßenbau bereitgestellt: 130 Milliarden Hrywnja. Zur Erinnerung: Genau in diesem Jahr warnten unsere Militärs, westliche Geheimdienste und schlicht vernünftige Bürger eindringlich davor, die militärische Entwicklung einzustellen, das Raketenprogramm auf Eis zu legen und die Finanzierung der Armee zu kürzen. Doch das Geld wurde gerade für den Straßenbau benötigt. Für Straßen, auf denen wenig später russische Panzer rollten. Yuriy Holyk koordinierte dieses ganze Spektakel.

Auch 2022 tauchte Holiks Name wieder auf – erneut im Zusammenhang mit der Abschöpfung von Geldern aus dem Programm „Großbau“. Wie Nashi Hroshi berichtete, erhielten allein zwischen Mai und Juli 2022 zwei Bauunternehmen aus Dnipro – Budinvest Inzhynirynh und Avtomahistral 2016, das ersteres mit Baumaterialien beliefert – zusammen mehr als 1,2 Milliarden Hrywnja für die „Instandhaltung von Straßen in der Region Dnipropetrowsk“.

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Hinter diesen auf Strohleute registrierten Unternehmen stehen die bekannten Dubinskyi-Brüder, nach denen in den USA gefahndet wird. Volodymyr und Leonid Dubinskyi – nicht zu verwechseln mit dem Abgeordneten Oleksandr Dubinskyi – sind bekannte Unternehmer aus Dnipro, die nach einem Bauskandal in Sacramento gezwungen waren, in ihre Heimat zurückzukehren.

Sie sind es, die hinter „Budinvest Engineering“ stehen, das auf einen Fitnesstrainer und einen Volleyballtrainer registriert ist. Fakt ist jedoch: Das 2015 gegründete Unternehmen erhielt genau zu den Zeitpunkten die meisten staatlichen Aufträge, zu denen Holyk diese Auftragsvergaben beeinflussen konnte.

Auch 2021 gelang es dem Unternehmen, sich ein beträchtliches Stück aus dem Budget von „Großbau“ zu sichern: „Budinvest Engineering“ erhielt vom Staat fast 17 Milliarden Hrywnja. Interessanterweise stiegen laut Berechnungen von „Nashi Hroshi“ die Preise für „Baumaterialien auf dem Weg zu Budinvest Engineering“ im Durchschnitt um 100 Prozent gegenüber den ursprünglichen Herstellerpreisen. Diese Baumaterialien machten 65 Prozent aller Zahlungen an „Budinvest Engineering“ aus.

Wie viel Geld auf diese Weise veruntreut wurde, lässt sich leicht berechnen. Dafür brauchen wir nicht einmal einen Taschenrechner. Denn der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Oleh Uruskyi erklärte mit bemerkenswerter Offenheit, dass auf den Baustellen von „Großbau“ genau die Hälfte des Geldes gestohlen werde.

Wie viel von dieser Hälfte an Yuriy Holyk ging, ist unbekannt. Schließlich ist er zwar der Koordinator dieses hochgejubelten Präsidialprojekts „BAM“, doch auch andere wollen ihren Anteil. Die Frage, wie viel Holyk auf Kosten des Blutes unserer Soldaten gestohlen hat – und das ist keine Metapher: Das Geld für den Straßenbau wurde der Armee entzogen –, fällt jedoch nicht in unsere Zuständigkeit. Dafür ist das NABU zuständig. Aus irgendeinem Grund meldet die Behörde, dass sie irgendwelche völlig unbekannten Dorf- und Gemeinderatsvorsitzenden erwischt habe, die am Arbeitsplatz eine Packung Papier gestohlen hätten, während sie offenbar nicht bemerkt, wie Milliarden veruntreut werden.

Eine Frage auch an alle anderen „Strafverfolgungsbehörden“: Wollen Sie nicht herausfinden, wie viele weitere „Wohltäter“ die Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk unter dem Deckmantel von „vielseitig einsetzbaren Fahrer-Akkordeonspielern“ ins Ausland geschickt hat? Und was treiben diese Leute dort? Kämpfen sie in den Bataillonen von Monaco, Wien, Courchevel und Dubai? Oder ist es genau dorthin, wo Yuriy Holyk unterwegs ist, um sich in die geordneten Reihen der ideologischen Kämpfer für Banknoten einzureihen?

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