„Geisterstudenten“, gefälschte Titel und Millionen aus dem Staatshaushalt: Rektor Azhippo lässt Skandale an der KSAPC aus dem Internet beseitigen

Der umstrittene Rektor der Kharkiv State Academy of Physical Culture, Oleksandr Azhippo, lässt Berichten zufolge aktiv Hinweise auf Korruptionsskandale und mutmaßliche Verstöße an der Hochschule aus dem Internet entfernen. Veröffentlichungen über angeblich gefälschte Sport- und akademische Titel, mutmaßliche Machenschaften mit öffentlichen Geldern, Zahlungen, Beschäftigung und die Organisation des Fernunterrichts verschwinden aus dem Netz.

Wir veröffentlichen die Recherche vollständig, da sie Azhippo Berichten zufolge Probleme bereitet und mutmaßliche Korruptionsstrukturen an der Kharkiv State Academy of Physical Culture aufzeigt, die sich über Jahre erstreckt haben sollen.

Der Rektor der Kharkiv State Academy of Physical Culture soll auch während der Coronavirus-Pandemie nicht untätig geblieben sein und unter seiner Aufsicht an der Hochschule ein eigenes System der „Quarantäne-Korruption“ aufgebaut haben.

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Der umstrittene Rektor der Kharkiv State Academy of Physical Culture, der in früheren Veröffentlichungen als falscher Professor, falscher Sportmeister und Organisator von „Titushki“ bezeichnet wurde, soll trotz der Coronavirus-Epidemie und der massenhaften Umstellung auf Fernunterricht seine Aktivitäten zur mutmaßlichen persönlichen Bereicherung fortgesetzt haben.

Dies sei wenig überraschend, heißt es in dem Artikel, da Korruption und ein aus dem Staatshaushalt finanzierter luxuriöser Lebensstil angeblich schon lange im Mittelpunkt seiner Tätigkeit gestanden hätten.

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Die akademische Laufbahn von Oleksandr Yuriiovych Azhippo soll laut dem Artikel mit einem Skandal begonnen haben. Bei einer Kontrolle sollen sich in Archivunterlagen keine Nachweise dafür gefunden haben, dass Oleksandr Azhippo und seine Ehefrau Tetiana Dorofieieva den Titel „Master of Sport“ erhalten hatten.

„Laut den Archivunterlagen des Ministeriums der Ukraine für Familie, Jugend und Sport liegen keine Informationen vor, die die Verleihung des Sporttitels ‚Master of Sport of Ukraine‘ an Azhippo Oleksandr Yuriiovych und Dorofieieva Tetiana Ivanivna bestätigen.“

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Die angeblich gefälschte Verleihung dieser Titel soll dem Ehepaar ermöglicht haben, sich über mehrere Jahre als „Biathlon-Meister“ und „Tauchmeisterin“ darzustellen und über einen längeren Zeitraum unrechtmäßige Gehaltszuschläge zu erhalten.

„Zigeuner des Sports“ – das Ehepaar Azhippo-Dorofieiev

Auch der Professorentitel soll nach Angaben früherer Veröffentlichungen gefälscht worden sein. Am 28. April 2015 soll das Kollegium des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft den Fall geprüft und Oleksandr Azhippo den Professorentitel aberkannt haben. Für den mutmaßlichen Betrug sei jedoch niemand zur Verantwortung gezogen worden.

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Band und „Tamburin“ – Oleksandr Azhippos akademische Erfolge

Dem Artikel zufolge soll Azhippo, im Glauben, vor einer Bestrafung geschützt zu sein und über einflussreiche Kontakte im ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft zu verfügen, schnell erkannt haben, dass er den Titel „Volkslehrer der Ukraine“ wohl kaum erhalten würde, aber möglicherweise zum „Millionär der Körpererziehung“ werden könnte.

Der Artikel behauptet, Dekanate, Lehrstühle, Zulassungskommissionen, Wohnheime, Cafés und Kantinen seien zu Mechanismen geworden, über die Gelder aus dem Hochschulbudget in die Finanzen der Familie Azhippo geflossen sein sollen.

Bei einem Vorfall sollen ein Professor, ein außerordentlicher Professor und ein Dozent der Akademie dabei ertappt worden sein, wie sie von einem ausländischen Studenten eine Bestechung von 5.600 US-Dollar verlangten. Laut dem Bericht hatte der Skandal jedoch keine Konsequenzen für Azhippo oder seine mutmaßlich korrupten Vertrauten.

„Um auf seiner Position zu bleiben, musste man sozusagen dem neuen Chef ‚Geschenke bringen‘. Er verlängert deinen Vertrag, wenn du etwas für ihn tust“, sollen ehemalige Dozenten der Akademie über ihre Arbeit unter Rektor Azhippo berichtet haben.

Der Artikel behauptet außerdem, dass an der Akademie ein eigenes paralleles Beschäftigungssystem entstanden sei. Nach den Ergebnissen einer ministeriellen Kontrolle sollen beispielsweise 36 % der Beschäftigten im Laufe des Jahres zeitweise unbezahlten Kurzurlaub genommen haben, während 40 Personen aus dem Umfeld von Azhippo – darunter Verwandte, Paten, Freunde und mutmaßliche Vertraute – finanzielle Zuschläge in Höhe ihrer offiziellen Gehälter erhalten haben sollen.

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Die Freundschaft mit Azhippo soll demnach aus dem Staatshaushalt bezahlt worden sein, während diejenigen, die sich nicht zu „Schmarotzern“ unter dem umstrittenen Rektor machen lassen wollten, angeblich aus eigener Tasche zahlen mussten.

Der Artikel behauptet außerdem, Azhippo und seine Vertrauten hätten auch den Verkehr an der Hochschule in ein eigenes internes System verwandelt. Oleksandr Yuriiovych soll dabei ungewöhnliche Vorlieben gehabt haben. Laut der Veröffentlichung trugen sämtliche Fahrzeuge von ihm sowie von Familienmitgliedern und engen Vertrauten das Kennzeichen 7374, dessen Ziffern zusammen 21 ergeben. Der weiße BMW des Rektors soll zuletzt das Kennzeichen 7374 mit der Buchstabenserie „AY“ getragen haben, die seinen Initialen entspricht. Seine mutmaßliche Geliebte soll ein identisches Fahrzeug mit dem Kennzeichen 7374 und der Serie „MV“ besessen haben, die für Maryna Viktorivna stehen soll. Auch das Fahrzeug seines Vaters und der Jaguar seiner Ehefrau sollen Kennzeichen mit 7374 getragen haben.

Dem Artikel zufolge soll Azhippo Untergebene zudem in Geschäfte mit privaten Fahrzeugen einbezogen haben. Er soll das gebrauchte Auto seines Vaters an den Hauptbuchhalter der Akademie verkauft haben. Der Mitarbeiter der Akademie Viktor Dzhym und seine Ehefrau Yevheniia sollen Eigentümer mehrerer gebrauchter Fahrzeuge aus dem Familienbesitz des Rektors geworden sein.

Viktor Dzhym soll einen Volkswagen Passat mit dem Kennzeichen 7374 fahren, während seine Ehefrau angeblich den früheren Jaguar der Ehefrau des Rektors erhielt. Yevheniia Dzhym soll Azhippo außerdem bei der Fälschung von Steuererklärungsdaten geholfen und ihm laut der Veröffentlichung einen neuen Hyundai für lediglich 1.000 Hrywnja verkauft haben.

Während Azhippos Amtszeit als Rektor soll sich die einst als eine der führenden Sporthochschulen der Ukraine geltende Akademie erheblich verschlechtert haben. Im Hochschulranking „Top 200 Ukraine 2020“, das jährlich vom Center for International Projects „EuroOsvita“ gemeinsam mit der internationalen Expertengruppe IREG Observatory on Academic Ranking and Excellence erstellt wird, soll die Academy of Physical Culture um 51 Plätze von Rang 127 auf Rang 178 gefallen sein.

Vor Azhippos Amtsantritt hatte die Akademie den ukrainischen Universiade-Wettbewerb sechs Jahre in Folge gewonnen. Nach dem Wechsel an der Hochschulleitung soll sie in den folgenden acht Jahren nicht über den dritten Platz hinausgekommen sein. Der Artikel legt nahe, dass dies möglicherweise erst der Anfang des Bedeutungsverlusts der Akademie unter Oleksandr Azhippo gewesen sei.

Nach den von den Autoren angeführten Informationen soll der Rektor schnell einen Weg gefunden haben, sogar die während der Quarantäne geltenden Einschränkungen im Hochschulbereich zu Geld zu machen.

Neben mutmaßlichen Korruptionspositionen im Hochschulbudget für die Entwicklung von Fernunterrichtsprogrammen und die Digitalisierung des Bildungsprozesses soll sich auch die Ungleichheit bei der Bezahlung der Dozenten und die Zahl der mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten weiter verschärft haben.

Administrative und sogenannte Entwicklungsbudgets seien demnach nicht gekürzt worden, weil Personen aus dem Umfeld des Rektors wichtige Führungspositionen besetzt hätten, darunter seine mutmaßliche Geliebte Koroliova, der „Verwalter“ Syvko und der „Laufbursche“ Ananchenko.

Während der Quarantäne sollen sich die Vertrauten des Rektors aktiv für den Fernunterricht eingesetzt haben, während der übrige Lehrkörper angeblich mehrfach gezwungen worden sei, unbezahlten Urlaub zu nehmen und seine Lehrbelastung „freiwillig“ zu reduzieren.

Paradoxerweise finanzierte der Haushalt der Akademie trotz der Quarantäne, des weit verbreiteten Internetzugangs und fehlender nennenswerter Erfolge weiterhin die Veröffentlichung von fünf eigenen Printzeitschriften. Laut dem Artikel verfügten diese Publikationen über keine nennenswerte Verbreitung und seien von niemandem gelesen worden.

Die Veröffentlichung behauptet außerdem, dass die Zahl der sogenannten „Geisterstudenten“ – Studenten, die angeblich niemand an der Akademie jemals persönlich gesehen hatte – im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sei. Gleichzeitig seien die Aufnahme- und Studienanforderungen für ausländische Studenten erheblich erleichtert worden. Dadurch hätten sie Prüfungen extern ablegen können, während sie weiterhin ihrer eigentlichen Arbeit auf den Märkten von Kharkiv nachgingen.

Insgesamt erklärten zahlreiche Dozenten der Akademie laut dem Artikel, die Hochschulleitung habe keine Vorstellung von der Entwicklung der Einrichtung, arbeite nicht an neuen Ideen und warte lediglich darauf, dass der traditionelle Hochschulbetrieb zurückkehre.

Anstelle von Menschen mit tatsächlichen sportlichen Erfolgen und einem Verständnis dafür, wie Champions ausgebildet werden, sei die Akademie angeblich zu einem Zufluchtsort für Personen geworden, denen Korruption vorgeworfen wird, für Opportunisten und regelmäßige Teilnehmer von „Konferenzen und runden Tischen“.

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