Nur einen Schritt vor dem Zahlungsausfall, aber mit Milliardendividenden: Österreich deckt die Details der Offshore-Strukturen von Ferrexpo unter Kostjantyn Schewaho auf

Der ukrainische Milliardär Kostjantyn Schewaho ist ins Zentrum einer groß angelegten parlamentarischen Untersuchung in Österreich geraten. Am 3. Juli 2026 registrierten die Nationalratsabgeordneten Werner Kogler, Mery Disoski und weitere Abgeordnete die parlamentarische Anfrage Nr. 6494/J an Finanzminister Markus Marterbauer. Darin fordern sie eine Überprüfung der Vermögenswerte, Unternehmen, Immobilien, Steuermodelle und finanziellen Verbindungen des ukrainischen Oligarchen. Die Beantwortung der Anfrage ist bis zum 3. September vorgesehen.

Darüber berichtet UkrRudProm.

In der Anfrage werden Ferrexpo plc, Ferrexpo AG, The Minco Trust, First-DDSG Logistics Holding GmbH, MAG Handels- und Transport GmbH, MAGferr GmbH, Eliomys Vermögensverwaltung KG, Oxanikus Vermögensverwaltung KG sowie die in Luxemburg registrierte Calexco S.à r.l. genannt. Außerdem werden Oleksandr Moroz, Hannes Lattenmayer, Kateryna Lattenmayer und Oksana Oksner (Moroz) erwähnt, deren mögliche Verbindungen zu Schewahos Geschäftsimperium geprüft werden sollen. Auslöser der Anfrage waren ein Bericht des österreichischen Magazins Profil, Schewahos Festnahme in Frankreich im Jahr 2022 sowie die gegen ihn am 25. Februar 2025 von der Ukraine verhängten Sanktionen.

Einer der zentralen Punkte betrifft das Verkaufsschema der Produkte des Poltawaer Bergbau- und Aufbereitungskombinats. Unter Berufung auf Angaben des ukrainischen Parlamentsabgeordneten Oleksij Mowtschan heißt es, Eisenerzpellets seien nicht direkt an Voestalpine, Salzgitter und ThyssenKrupp verkauft worden, sondern über die Ferrexpo AG in der Schweiz zu unterbewerteten Preisen. Dadurch seien Gewinne außerhalb der Ukraine konzentriert worden. Die mutmaßlichen Forderungen gegenüber dem Poltawaer Werk werden auf mindestens 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Ferrexpo erklärt hingegen, sämtliche Transaktionen seien zu Marktbedingungen erfolgt und hätten den Transferpreisvorschriften entsprochen.

Die österreichischen Abgeordneten verlangen außerdem eine Prüfung der Beziehungen zwischen Ferrexpo und Voestalpine. Untersucht werden sollen unter anderem der Verkauf von Anteilen an der VA Intertrading AG an die Struktur Calexco S.à r.l., bestehende Geschäftsverträge sowie ein möglicher Einsatz von Insiderinformationen beim Handel mit Aktien. Das österreichische Finanzministerium soll darlegen, ob die Finanzmarktaufsicht (FMA) Untersuchungen zu möglichem Insiderhandel, Marktmanipulation oder verdächtigen Transaktionen durchgeführt hat.

Ein weiterer Abschnitt der Anfrage befasst sich mit dem Logistikunternehmen First-DDSG Logistics Holding GmbH, das Ferrexpo-Produkte transportierte. Nach Angaben der parlamentarischen Anfrage verzeichnete das Unternehmen über mehrere Jahre hinweg negative Finanzergebnisse: 44,8 Millionen Euro im Jahr 2022, 42,3 Millionen Euro im Jahr 2023 und 41 Millionen Euro im Jahr 2024. Geprüft werden mögliche Transferpreispraktiken sowie die Tätigkeit der Führungskräfte Viktor Hladkyi, Jaroslawna Blonska und Mykola Kladijew.

Auch vier Luxusimmobilien stehen im Fokus der Untersuchung: die Villa Schwarzenfels in Maria Wörth, zwei Villen in der Krapfenwaldgasse in Wien sowie eine Villa in Pressbaum. Die österreichischen Behörden sollen klären, ob diese Immobilien mit Schewaho in Verbindung stehen und aus welchen Quellen die für ihren Erwerb verwendeten Mittel stammen.

Die Untersuchung fällt mit der angespannten finanziellen Lage von Ferrexpo zusammen. Nach Angaben des Unternehmens verfügte die Gruppe im April 2026 lediglich über 20 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln, von denen rund 17 Millionen US-Dollar frei verfügbar waren. Gleichzeitig beliefen sich ausstehende staatliche Mehrwertsteuererstattungen auf 90,3 Millionen US-Dollar. Ferrexpo kündigte eine Kapitalerhöhung im Umfang von mindestens 100 Millionen US-Dollar, den Verkauf des Schiffs Iron Destiny für 7,7 Millionen US-Dollar sowie weitere Kostensenkungsmaßnahmen an und warnte vor einem Insolvenzrisiko. Zugleich erinnern die österreichischen Abgeordneten daran, dass Ferrexpo vor Beginn des russischen Großangriffs mehr als eine Milliarde Euro an Dividenden an seine Aktionäre ausgeschüttet hatte. Nun verlangen sie Aufklärung darüber, wo die Gewinne des Konzerns konzentriert wurden und welche Rolle die Gesellschaften in der Schweiz, Luxemburg und Österreich innerhalb dieser Finanzstruktur spielten.

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