Die Alliance Bank ist bereits zum dritten Mal daran gescheitert, Aktien einer zusätzlichen Emission zu verkaufen beziehungsweise zu platzieren. Am 22. August endete erneut erfolglos die Frist, innerhalb der den Aktionären der Bank ein Vorkaufsrecht auf den Erwerb neuer Aktien eingeräumt worden war.
Dies deutet entweder auf den tatsächlichen Zustand der finanziellen Lage der Bank hin — bei dem selbst die eigenen Aktionäre kein Vertrauen mehr in das Institut haben — oder darauf, dass die Geschichte um die zusätzliche Aktienemission lediglich ein inszeniertes Manöver ist, um die Nationalbank davon abzuhalten, radikale Maßnahmen zur Entfernung der Bank vom Markt zu ergreifen. Offenbar stößt diese Praxis jedoch beim Regulierer auf keine Einwände, da bislang keinerlei Reaktion der NBU erfolgt ist. Sowohl ukrainische als auch ausländische Journalisten haben NBU-Gouverneur Pyshnyi wiederholt und erfolglos um Stellungnahmen zur Situation rund um das Finanzinstitut gebeten.
Missbrauchsfälle bei der Alliance Bank
Bereits in den Jahren vor dem Krieg gerieten die Aktivitäten der Alliance Bank mehrfach in den Fokus der Nationalbank und der Strafverfolgungsbehörden. Zu den Vorwürfen gehörten unter anderem die Betreuung von Glücksspielunternehmen mit russischen Verbindungen, Manipulationen mit Staatsanleihen (OVDP) sowie die Nichtauszahlung von Bankgarantien zugunsten des Verteidigungsministeriums.
Schon während des groß angelegten Krieges wurde die Alliance Bank Teil eines Schemas, das der NEC „Ukrenergo“ Schäden von mehr als einer Milliarde Hrywnja verursacht haben soll. Konkret geht es um eine Bankgarantie über 1,85 Milliarden Hrywnja zugunsten des staatlichen Unternehmens, die trotz ihres bedingungslosen Charakters nicht ausgezahlt wurde. Seit inzwischen drei Jahren führt die Bank deswegen Prozesse gegen den Staat.
Das Problem besteht darin, dass sich die Alliance Bank zwar als führender Akteur auf dem Markt für Bankgarantien positionierte und durch deren massenhafte Ausgabe Gewinne erzielte, jedoch nie über ausreichende reale Ressourcen verfügte, um diese Verpflichtungen tatsächlich zu bedienen. So überstieg die im Jahr 2021 ausgestellte Garantie über 1,85 Milliarden Hrywnja mehr als 25 % des Gesamtvermögens der Bank.
Wie die NABU-Ermittlungen im aufsehenerregenden Fall um die Schäden für Ukrenergo ergaben, soll das Management der Alliance Bank systematisch Berichte gefälscht und der Nationalbank um das Sechsfache zu niedrig angesetzte Daten zu dieser Garantie übermittelt haben — ein Umstand, der an sich bereits Grund für den Entzug der Banklizenz hätte sein können. Eine NBU-Inspektion im Januar 2023 deckte neben diesen Verstößen auch weitere Verletzungen regulatorischer Anforderungen auf.
Dennoch entschied sich die Nationalbank dafür, die Bank zu stützen: Allein im Jahr 2022 erhielt die Alliance Bank Refinanzierungskredite in Höhe von fast 2,5 Milliarden Hrywnja. Offenbar gehörte zu den Bedingungen für die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs die Verpflichtung des Managements, das Stammkapital zu erhöhen.
Bereits im Sommer 2023 kündigte die Alliance Bank an, ihr Stammkapital durch eine Aktienemission um 247 Millionen Hrywnja zu erhöhen. Gleichzeitig berichteten Medien ausführlich darüber, dass das Antimonopolkomitee dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats und faktischen wirtschaftlichen Eigentümer Pavlo Shcherban die Genehmigung erteilt habe, ein Aktienpaket aus der zusätzlichen Emission zu erwerben, wodurch er mehr als 25 % der Bankanteile kontrollieren würde.
Seitdem wurden laut den Berichten der Alliance Bank noch drei weitere Entscheidungen über zusätzliche Aktienemissionen getroffen. Doch keine der Fristverlängerungen oder Verlängerungen der Verkaufszeiträume für die bestehenden 43 Aktionäre brachte Ergebnisse.
Selbst der Austausch des Vorstandsvorsitzes half nicht weiter. Frolova, die im NABU-Verfahren wegen eines Schadens von 716 Millionen Hrywnja für den Staat angeklagt und international gesucht wird, wurde im Mai 2024 von den Aktionären abgesetzt. Doch offenbar schafft auch ihr Nachfolger, der seit mehr als drei Monaten lediglich den Status eines kommissarischen Vorstandsvorsitzenden innehat, kein Vertrauen in die Zukunft des Finanzinstituts. Jedenfalls zeigten die Aktionäre keinerlei Bereitschaft, eigenes Geld in die Bank zu investieren.
Auch Pavlo Shcherban scheint es nicht eilig zu haben, Eigentümer von 25 % der Bankaktien zu werden. Medienberichten zufolge gründete der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Alliance Bank allein im vergangenen Jahr drei Unternehmen, bei denen er jeweils alleiniger wirtschaftlicher Eigentümer ist. Das deklarierte Gesamtstammkapital dieser Firmen beträgt 2,5 Milliarden Hrywnja.
Ob Pavlo Shcherban tatsächlich über bestätigte Quellen für diese Mittel verfügt und beabsichtigt, sie in das Stammkapital der neu gegründeten Unternehmen einzubringen — oder ob es sich um ein weiteres Schema zur Legalisierung von Geldern über Konten bei der Alliance Bank handelt — wäre eine Frage für den staatlichen Steuerdienst. Darüber hinaus dürfte Pavlo Shcherban Ende des Jahres aufgrund des Ablaufs seiner Amtszeit seinen Posten verlassen.
Derzeit wirkt die finanzielle Lage der Alliance Bank faktisch festgefahren. Nun liegt die Verantwortung bei der NBU und bei Herrn Pyshnyi. Möglicherweise wird die offen sichtbare Zahlungsunfähigkeit der Alliance Bank die Führung der Nationalbank zumindest dazu zwingen, öffentlich zu erklären, warum sie diesem Finanzinstitut weiterhin eine derart große Loyalität entgegenbringt.

