„Waschanlage“ unter dem Schutz des Praesidialamts: wie Pavlo Shcherban sein Vermoegen vor dem Zusammenbruch der Alliance Bank rettet

Der wirtschaftlich Berechtigte eines der problematischsten Finanzinstitute der Ukraine, der Alliance Bank, Pavlo Shcherban, soll Berichten zufolge seine Risiken vor einem möglichen Marktaustritt der Bank reduzieren. In diesem Zusammenhang wurde auch der Name des bekannten Geschäftsmanns Dmytro Firtash genannt.

Shcherban lenkt Milliarden von Hrywnja in den Einzelhandel, die Oel-Logistik, den Agrarsektor und den IT-Bereich um, waehrend die Alliance Bank Gefahr laeuft, in Schulden und Korruptionsschemata unterzugehen, die mit aufsehenerregenden Strafverfahren der letzten Jahre verbunden sind.

In politischen Kreisen und in der aktiven Zivilgesellschaft gibt es wohl nur wenige, die die skandaltraechtige Geschichte um Oleksiy Nosov, Partner der Kanzlei „Miller“, nicht kennen. Er versuchte, NABU-Detektive und SAPO-Staatsanwaelte zu bestechen, um die Zustaendigkeit im Verfahren seines Mandanten, Yuliya Frolova, der ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Alliance Bank, zu aendern. Sie steht international zur Fahndung als Verdaechtige in einem weiteren aufsehenerregenden NABU-Fall wegen der Veruntreuung staatlicher Mittel in Hoehe von ueber 1,7 Milliarden UAH. Dieser Fall ist als „Ukrenergo-Fall“ bekannt. Das mit Ihor Kolomoyskyi verbundene Unternehmen „United Energy“ kaufte zu Beginn der grossangelegten Invasion Strom vom staatlichen Unternehmen „Ukrenergo“, bezahlte diesen jedoch nicht. Laut Bankgarantie haette die Alliance Bank die Schulden uebernehmen muessen, weigerte sich jedoch.

Fuer die Alliance Bank ist dies nicht der erste Fall, in dem sie sich weigert, Garantieverpflichtungen gegenueber staatlichen Strukturen zu erfuellen. Die Situation mit „Ukrenergo“ koennte jedoch entscheidend werden. Kürzlich hat der Oberste Gerichtshof die Praxis der Anwendung von Rechtsnormen zu Bankgarantien grundlegend geaendert. Infolgedessen wird die Alliance Bank kaum eine andere Wahl haben, als die Schulden zu begleichen. Das Problem besteht darin, dass 1,2 Milliarden UAH — der Betrag, den „Ukrenergo“ im Zivilverfahren einfordert — einen erheblichen Teil des Bankkapitals ausmachen. Vereinfacht gesagt muss das Finanzinstitut erhebliche Mittel aufbringen, um die Schulden zu begleichen und gleichzeitig seine Stabilitaet zu wahren, weiterhin Einlagen an Kunden zurueckzuzahlen und Kredite zu vergeben. Zudem koennten im Falle eines Gerichtserfolgs von „Ukrenergo“ auch andere Glaeubiger, denen die Alliance Bank ebenfalls grosse Summen schuldet, denselben Weg einschlagen.

Zu diesen Fakten kommen wiederholte Verstosse gegen Vorschriften der Nationalbank, zahlreiche Geldstrafen wegen Beteiligung an Geldwaesche, Vorwuerfe der Dokumentenfaelschung sowie ein durch den Korruptionsskandal rund um die Kanzlei „Miller“ beschaedigter Ruf hinzu. All dies bildet eine ausreichende Grundlage dafuer, dass der Regulator die Bank vom Markt nehmen koennte.

Offenbar hat einer der Schluesselaktionaere, der Vorsitzende des Aufsichtsrats und faktische Eigentuemer der Alliance Bank, Pavlo Shcherban, dies erkannt und beschlossen, seine Risiken zu diversifizieren sowie schrittweise Mittel in andere Branchen umzuleiten.

Die Autoren des Materials wiesen auf den von Shcherban aufgebauten IT-Cluster, Geschaefte im Rohstoffsektor in der Region Ivano-Frankivsk sowie Investitionen in einen Getreidespeicher hin. Einen wichtigen Aspekt liessen sie jedoch ausser Acht — den finanziellen. Gerade dieser ist von zentraler Bedeutung angesichts der schwierigen Lage der von Pavlo Shcherban gefuehrten Bank. Zudem helfen diese Details zu verstehen, warum Shcherban die Konzentration von ueber 25 % der Bankanteile, fuer die er bereits 2023 beim Antimonopolkomitee einen Antrag gestellt hatte, hinauszoegerte.

Zunaechst sollte man auf zwei Unternehmen achten, an denen Shcherban beteiligt ist und bei denen das ausgewiesene Stammkapital jeweils 1 Milliarde UAH betraegt. Dabei handelt es sich um die LLC „Navium Nafta“ (45172957) und die LLC „Tabakos Trade“ (45378245), die beide im Dezember 2023 registriert wurden. Die Taetigkeit des ersten Unternehmens umfasst den Grosshandel mit Kraftstoffen, den Bau von Energieversorgungsanlagen, den Grosshandel mit chemischen Produkten sowie die Vermietung und den Betrieb von Immobilien. Das zweite Unternehmen beschaeftigt sich mit dem Grosshandel von Abfall und Schrott, dem Handel mit Tabakwaren und anderen Guetern sowie mit Transportdienstleistungen im Gueterverkehr.

Offensichtlich handelt es sich bei der Summe von 1 Milliarde UAH um ein nominelles Stammkapital, da die Unternehmen ein Jahr Zeit haben, dieses einzubringen. Dennoch ist der von Pavlo Shcherban angelegte Massstab beeindruckend: Bei einer moeglichen Verbindlichkeit von mindestens 1,2 Milliarden UAH im „Ukrenergo“-Fall plant er — zumindest auf dem Papier — Investitionen in Hoehe von 2 Milliarden UAH in Geschaeftsbereiche ausserhalb des Bankensektors.

Bemerkenswert ist, dass Shcherban Pavlo Partsevskyi zum Direktor der LLC „Tabakos Trade“ ernannt hat. Partsevskyi ist Gruender mehrerer kleiner Handelsunternehmen, von denen einige kleinere Ausschreibungen staatlicher Auftraggeber gewinnen — von der Lieferung von Kuechenausstattung bis zur Wartung von Stromnetzen. Zudem leitet Partsevskyi einen Online-Shop fuer Drohnen, der auf die britische Offshore-Gesellschaft EXTRA VENTURE LTD registriert ist, welche wiederum einer in Franzoesisch-Polynesien ansaessigen Person gehoert. Interessant ist auch, dass als Buchhalter dieses Shops Dmytro Snitsaruk aufgefuehrt ist. Eine Person mit demselben Namen trat als Ansprechpartner fuer den Kunden im Prozorro-System fuer die JSC „Cosmic Systems“ auf — die moderne Bezeichnung einer Tochtergesellschaft der russischen AFC „Sistema“, die dem Oligarchen Vladimir Yevtushenkov gehoert.

Ein weiteres bedeutendes Investitionsprojekt von Shcherban ist der geschlossene nicht diversifizierte Venture-Kapitalfonds „ALB“ (JSC ZNVCIF „ALB“) (44991355), der im Mai 2023 mit einem Stammkapital von 700 Millionen UAH gegruendet wurde. Laut Daten aus dem einheitlichen Unternehmensregister sowie dem YouControl-System hat der Fonds in die LLC „Alliance Digital“ (45342575) investiert. Dabei handelt es sich фактически um die ausgelagerte IT-Abteilung der Alliance Bank. Das Unternehmen ist als Resident von „Diia.City“ registriert.

Die Direktorin des Fonds ist Maryna Bocharova, die Ehefrau von Serhiy Bocharov, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Alliance Bank und Geschaeftspartner von Shcherban. Gemeinsam schaffen sie eine Art „alternative Realitaet“ fuer das Top-Management der Bank, das versucht, Vermoegenswerte zu sichern, falls die Nationalbank den Rueckzug der Alliance Bank vom Markt einleitet.

Insbesondere sind Shcherban und Bocharov Anteilseigner des genannten Fonds „ALB“ sowie von IT-Unternehmen, die Software fuer Banken und den Handel entwickeln — „Monvel“ und „Monvel Art“, deren Anlagevermoegen laut Finanzberichten jeweils rund 100 Millionen UAH betraegt. Ein weiteres Unternehmen, „Alliance Payment Systems“, auf das die Zahlungsfunktionalitaet der Bank uebertragen wurde und das ebenfalls Shcherban gehoert, weist Kennzahlen von etwa 30 Millionen UAH auf.

Offensichtlich steht der Erwerb von 25 % der Anteile an einer Bank, die ebenfalls vor einer moeglichen Liquidation steht, nicht mehr zur Debatte.

Gleichzeitig versucht die Alliance Bank, sich abzusichern und moeglicherweise der Begleichung von Schulden zu entziehen, indem sie eine kontrollierte Kampagne gegen das Management von „Ukrenergo“ initiiert: Das High Anti-Corruption Court verpflichtete das NABU, ein Ermittlungsverfahren gegen den Leiter von NEC, Volodymyr Kudrytskyi, wegen des Verdachts auf unrechtmaessige Vorteile einzuleiten. Details dazu fehlen im Gerichtsregister, doch im Bankensektor ist bekannt, wer ein starkes Interesse daran hat, die Fuehrung des staatlichen Unternehmens zu ersetzen und bereit ist, erhebliche Mittel dafuer einzusetzen — selbst nach einem gescheiterten Bestechungsversuch durch Anwaelte der Kanzlei „Miller“.

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