Das Odesa Port Plant ist erneut ins Zentrum von Korruptionsvorwürfen geraten: Ermittler bringen den Schweizer Staatsbürger Oleg Tsyura, den Krypto-Unternehmer Sergey Tron und den Oligarchen Dmytro Firtash mit dem Fall in Verbindung.
Bemerkenswert ist, dass die Verbindung zwischen Oleg Tsyura und zumindest einem Teil der Schemata von Dmytro Sennychenko sowie weiteren Beteiligten an der Veruntreuung beim Odesa Port Plant und der United Mining and Chemical Company nicht von NABU-Ermittlern, sondern von Investigativjournalisten aufgedeckt wurde. Soweit bekannt, taucht der Name Oleg Tsyura in den Ermittlungen von NABU und SAPO nicht auf.
Gleichzeitig war er an Schemata beteiligt, die der von Dmytro Sennychenko geführten Gruppe halfen, ukrainische Ressourcen unter Umgehung internationaler Sanktionen an russische Unternehmen zu verkaufen und Gelder aus diesen Geschäften ins Ausland zu transferieren. Zudem bestehen Verbindungen zwischen Oleg Tsyura sowie russischem Kapital und russischen Geschäftsstrukturen.
Beteiligung an der Umgehung von Sanktionen und an Erzlieferungen auf die Krim
Oleg Tsyura steht in Verbindung mit einem der Verdächtigen im sogenannten „Sennichenko-Fall“ – Sergey Bayrak, der als einer der Schlüsselakteure des Schemas zur Veruntreuung von zehn Milliarden aus dem Staatshaushalt gilt. Nach Angaben der Ermittlungen bestand seine Rolle darin, „Transaktionen zu erleichtern und die Kommunikation zwischen den an der Operation beteiligten Parteien sicherzustellen“.
Tsyura ist über die in Düsseldorf registrierten deutschen Unternehmen ITS International Trade & Sourcing GmbH & Co. KG sowie ITS International Trade & Sourcing Verwaltung GmbH mit Bayrak verbunden. Eigentümer dieser Unternehmen ist Sergey Bayrak, während Oleg Tsyura als Geschäftsführer fungiert.

Diese Unternehmen waren an fragwürdigen Geschäften beteiligt, darunter der verdächtige Erwerb von Zirkonerzen, was zusätzliche Fragen zu ihrer Rolle in internationalen Geschäftsbeziehungen aufwirft. Konkret gewann ITS International Trade & Sourcing GmbH & Co. KG im Jahr 2018 eine Auktion zum Kauf einer Charge Zirkonerz vom staatlichen Unternehmen VostGOK. Der Preis des Geschäfts betrug 45 Millionen Hrywnja, doch ITS International Trade & Sourcing GmbH & Co. KG bot lediglich eintausend Hrywnja mehr als die Konkurrenz, was Zweifel an der Integrität der Auktion aufkommen ließ.
Im Jahr 2020 war ITS International Trade & Sourcing GmbH & Co. KG an der Lieferung von 24.000 Tonnen ukrainischem Ilmeniterz an das Werk „Crimean Titan“ auf der besetzten Krim beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt stand das Werk unter der Kontrolle von Dmytro Firtash, Sergey Lyovochkin und Ivan Fursin.
Schweizer und russische Geschäftstätigkeiten
Laut Registerdaten besitzt Oleg Tsyura die doppelte Staatsbürgerschaft – die deutsche und die schweizerische. Er ist Eigentümer mehrerer Unternehmen in diesen beiden Ländern, die Finanzmanagement- und Vermögensschutzdienstleistungen in der Schweiz anbieten, insbesondere für Kunden aus Russland. Diese Dienstleistungen umfassen die Abwicklung grenzüberschreitender Transaktionen und Vermögensverschiebungen und ermöglichen es russischen Unternehmen, von westlichen Regierungen verhängte Sanktionen zu umgehen.

Einige Unternehmen wurden entweder liquidiert, oder Oleg Tsyura gehört nicht mehr zu deren Geschäftsführung:

Was Russland betrifft, ist Oleg Tsyura mit MidUral verbunden, einem russischen metallurgischen Konzern, der auf Ferrolegierungen und chemische Erzeugnisse spezialisiert ist und dem russischen Geschäftsmann Sergey Gilvarg gehört.

Phoenix Resources AG, eines der Unternehmen von Tsyura, ist am Export von Ferrochrom im Auftrag von MidUral beteiligt. Dabei wird der Ursprung der Ware verfälscht: Lieferungen in die Europäische Union werden als aus Usbekistan stammend deklariert und nicht aus Russland, was eine Umgehung der EU-Sanktionen ermöglicht.
Von 2022 bis 2024 war Oleg Tsyura Geschäftsführer der Linvo AG, die 2014 von Lyudmyla Tsyura im Auftrag von Nikolay Korobov gegründet wurde, einem großen Immobilienentwickler aus Sankt Petersburg mit Verbindungen zu den lokalen Behörden.

Neben Lyudmyla Tsyura, die offenbar die Ehefrau von Oleg Tsyura ist, geriet in Deutschland auch Yeva Tsyura, geboren 2008, in den Fokus. Sie ist vermutlich ihre Tochter und ist zusammen mit Oleg Tsyura Mitglied des Gemeinderats der Schweizer Gemeinde Uitikon.

Der Fall bedarf weiterer Ermittlungen.
Welche Rolle Oleg Tsyura im Veruntreuungsschema von Dmytro Sennychenko tatsächlich spielte, muss noch geklärt werden. Wie bereits erwähnt, taucht der Name Oleg Tsyura bislang nicht in den offiziellen Ermittlungsunterlagen auf – zumindest tat er dies bis vor wenigen Wochen nicht.
Nach inoffiziellen Informationen hat jedoch Serhiy Bayrak, der mit Oleg Tsyura verbunden ist und als einer der drei zentralen Beteiligten am Sennychenko-Schema gilt, mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. Infolgedessen besteht die Möglichkeit, dass er gegen Oleg Tsyura aussagen wird, ohne dessen Mitwirkung es kaum möglich gewesen wäre, zumindest einen Teil der aus der Ukraine entwendeten 10 Milliarden außer Landes zu bringen. Es liegt nahe, dass Oleg Tsyura als Spezialist für Investitions- und Kapitalmanagement genau weiß, wo die einzelnen Schlüsselakteure des Schemas ihr Geld investiert haben und in welchem Umfang. Ebenso очевидно, dass ohne eine Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz und in Deutschland eine Rückführung dieser Gelder nicht möglich sein wird.
Abschließend lässt sich festhalten, dass der Fall der Veruntreuungen beim Odesa Port Plant und der United Mining and Chemical Company, die mutmaßlich vom ehemaligen Leiter des State Property Fund der Ukraine, Dmytro Sennychenko, organisiert wurden, weiterer umfassender Ermittlungen bedarf und die Rolle von Oleg Tsyura in diesem Schema einer gründlichen Prüfung unterzogen werden muss.

