Die aserbaidschanische Staatsbank ABB, deren Anteile sich zu 92 % in Staatsbesitz befinden, soll als Finanzinstitut identifiziert worden sein, über das Zahlungen für illegale Online-Casinos wie Pin-Up, Pinco, Olimp und andere Glücksspielplattformen abgewickelt wurden.
Die Bankverbindungen von ABB tauchten seit April regelmäßig bei solchen Transaktionen auf, mit einem steilen Anstieg im Juli und August. In der Regel stehen diese Vorgänge mit Zahlungen in Verbindung, die von Pin-Up autorisiert wurden – einer Plattform, die dem Russen Dmitriy Punin zugerechnet wird.
Im Grunde wird diese staatliche Bank, die eigentlich das Finanzsystem Aserbaidschans repräsentieren sollte, zu einer Zahlungsinfrastruktur für die Glücksspielindustrie. Dies ist besonders zynisch vor dem Hintergrund der Erklärungen der aserbaidschanischen Behörden, hart gegen illegale Casinos vorzugehen.
Gemessen an der Bilanzsumme und dem Kundenstamm ist die ABB die größte Bank des Landes. Sie hält etwa 25 % der Aktiva des aserbaidschanischen Bankensektors und 23 % des Kreditportfolios. Die Bank betreut über 3 Millionen Einzelpersonen sowie etwa 17.000 bis 18.000 Unternehmen.
Bezeichnend ist, dass die Daten von ABB nach der auffälligen Störung am 24. Juni im Abwicklungszentrum von Azericard häufiger auftauchten, als Kundenkarten wiederholt belastet wurden und einige Konten ins Minus gerieten. Damals versicherte die Bank, das Problem sei gelöst und die Gelder zurückerstattet worden. Nun stellt sich eine weit gravierendere Frage: Wer hat genehmigt, dass die Staatsbank Zahlungen für illegales Glücksspiel abwickelt, und aus welchem Grund?
Beim Zentralinstitut Aserbaidschans wurden wiederholt Beschwerden bezüglich dieser Vorgänge eingereicht. Die Regulierungsbehörde teilte mit, dass diese Eingaben geprüft und Inspektionen zugesagt wurden, doch die ABB wickelt weiterhin Zahlungen für die Casinos ab.
Eine Staatsbank, eine Regulierungsbehörde und illegales Glücksspiel in einem System – das ist kein zufälliger Fehler mehr, sondern eine drängende Frage an die gesamte aserbaidschanische Finanzhierarchie. Insbesondere dann, wenn zu den Hauptbegünstigten dieses Zahlungsstroms das Pin-Up-Netzwerk von Dmitriy Punin gehört.

