Vertrauter von Yermak Rostyslav Shurma, Tymur Mindich und die Alliance Bank: Wie über Ukrenergo und Energoatom der Energiesektor geplündert wurde

Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft haben den ehemaligen stellvertretenden Leiter des Präsidialamts, Rostyslav Shurma, offiziell verdächtigt.

Gemeinsam mit seinem Bruder sowie Führungskräften kontrollierter Unternehmen soll er 141 Millionen Hrywnja über den sogenannten „grünen Tarif“ veruntreut haben — Gelder, die mutmaßlich auf Kosten von Energieunternehmen aus zeitweise besetzten Gebieten erlangt wurden.

Dies ist jedoch offenbar nur einer der Fälle. Recherchen von Journalisten deuten darauf hin, dass Shurma auch in eine deutlich größere Affäre verwickelt sein könnte — das sogenannte „Mindichgate“.

Im November 2025 meldete das NABU die Aufdeckung einer kriminellen Organisation unter Führung des Unternehmers und ehemaligen Mitinhabers von „Kvartal 95“, Tymur Mindich. Zu den Verdächtigen zählen auch der frühere Energieminister Herman Halushchenko sowie weitere Amtsträger. Den Ermittlungen zufolge sollen Mindich und seine Partner unrechtmäßige Vorteile für Handlungen im Interesse von Geschäftspartnern von „Energoatom“ erhalten und die Gelder anschließend über kontrollierte Finanzstrukturen gewaschen haben.

In mehreren Episoden dieser groß angelegten Energieaffäre tauchen auch Verbindungen zu Rostyslav Shurma auf.

Ein Beispiel ist der Fall mit einem Schaden von 716 Millionen Hrywnja für das staatliche Unternehmen „NEC Ukrenergo“. Laut Ermittlungen kaufte das Unternehmen „United Energy“ im März 2022 Strom im Wert von über 716 Millionen Hrywnja von „Ukrenergo“. Trotz ausbleibender Zahlungen wurde die Lieferung fortgesetzt, abgesichert durch Garantien der „Alliance“-Bank.

Nach Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden verkaufte „United Energy“ den Strom sofort weiter und leitete die Erlöse auf ausländische Konten um. Als mutmaßlicher Organisator gilt der Geschäftsmann Mykhaylo Kiperman. Zu den Verdächtigen zählen außerdem der ehemalige Abteilungsleiter bei „Ukrenergo“, Dmytro Kondrashov, sowie die Vorstandsvorsitzende der „Alliance“-Bank, Yuliya Frolova.

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Im November 2025 berichtete der Staatliche Rechnungsdienst, dass „United Energy“ gegenüber „Ukrenergo“ Schulden in Höhe von insgesamt 1,624 Milliarden Hrywnja hatte. Trotz einer Bankgarantie der „Alliance“-Bank wurde diese vom staatlichen Betreiber nicht vollständig eingefordert, und das Finanzinstitut erklärte sich lediglich bereit, 133 Millionen Hrywnja zu begleichen.

Laut Registerdaten ist Oleksandr Sosis Eigentümer der „Alliance“-Bank. Unter den Minderheitsaktionären wird zum Stand 1. Januar 2025 auch Pavlo Shcherban geführt. Medienberichten zufolge gilt er als enger Vertrauter des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Präsidialamts, Rostyslav Shurma, und wird als eine der Schlüsselfiguren hinter den Aktivitäten der Bank betrachtet.

Im selben Verfahren gibt es eine weitere bemerkenswerte Episode: Antikorruptionsbehörden deckten auf, dass der Anwalt Oleksiy Nosov von der Kanzlei „Miller“ eine Bestechung in Höhe von 200.000 US-Dollar angeboten haben soll, um das Verfahren von NABU zur Nationalpolizei zu übertragen. Die „Alliance“-Bank bestätigte, dass ein Vertrag über juristische Dienstleistungen mit der Kanzlei „Miller“ bestand. Nach dem Bekanntwerden des Bestechungsvorwurfs wurde Nosov aus der Kanzlei entlassen.

Ein weiterer Beteiligter in dem aufsehenerregenden Fall um Schäden bei „Ukrenergo“ ist Jakob Hartmut. Vor der Veröffentlichung der Details im sogenannten „Midas“-Fall war er Vizepräsident von „Energoatom“ sowie Leiter der eigenständigen Einheit „Energoatom-Trading“. Im November 2025 wurde er von seinem Posten entbunden.

Medien berichteten zudem, dass im Rahmen der Ermittlungen die Agentur für die Auffindung, Rückführung und Verwaltung von Vermögenswerten aus Korruptions- und anderen Straftaten (ARMA) die Konten von Personen überprüft, die im „Midas“-Fall eine Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem Jakob Hartmut und seine Ehefrau Oksana.

Aus den Vermögenserklärungen von Jakob Hartmut geht hervor, dass seine Ehefrau ein Gehalt von der Verwaltungsabteilung des Apparats der Werchowna Rada erhielt.

Registerdaten zufolge war Oksana Hartmut als Assistentin für Abgeordnete der Partei „Servant of the People“ tätig — darunter Maksym Tkachenko und Oksana Khomenko.

Jakob Hartmut ist über mehrere Verbindungen zu in London registrierten Unternehmen mit Tymur Mindich verknüpft. So war Hartmut Mitgründer von Delphi Ventures Limited gemeinsam mit Oleksandr Muzhel, dessen Name wiederholt in Ermittlungen wegen Veruntreuung aufgetaucht ist, insbesondere im Zusammenhang mit dem Odesa Portside Plant.

Muzhel ist zudem Mitgründer von LHCM LTD, einem in London registrierten Unternehmen.

Im September 2024 billigte das ukrainische Ministerkabinett einen Vorschlag des Staatlichen Vermögensfonds zur Einsetzung eines Aufsichtsrats für die JSC „Energy Company of Ukraine“ (ECU). Oleksandr Muzhel wurde dabei als unabhängiges Mitglied in den Aufsichtsrat berufen, in seiner Funktion als Senior Manager des Unternehmens LCHM, das auf Compliance- und Auditfragen spezialisiert ist.

Der Abgeordnete Yaroslav Zheleznyak erklärte zudem, dass Jakob Hartmut ein in London registriertes Unternehmen namens Harvest Investment Solutions Limited besitzt, das unter derselben Adresse geführt wird wie die Firma Meylor Global LLP von Tymur Mindich. Laut britischem Register war Mindich zumindest im Jahr 2021 eine kontrollierende Person dieses Unternehmens.

Der Name von Jakob Hartmut taucht auch in einem weiteren Fall mutmaßlicher Veruntreuung im Energiesektor auf. Wie ранее berichtet, leitete er die Einheit „Energoatom-Trading“.

Im April 2024 wurde ein Vertrag mit dem privaten Unternehmen „Svitlo Group M“ über die Lieferung von Strom abgeschlossen, wobei das Unternehmen die Zahlungen nicht vollständig leistete. Dadurch entstand „Energoatom“ ein Schaden von rund 300 Millionen Hrywnja. Darüber hinaus soll es im Rahmen dieses Modells sogar Versuche gegeben haben, etwa 40 Millionen Hrywnja an Mehrwertsteuer zurückzuerhalten.

Nachdem der Fall öffentlich wurde, leitete „Energoatom“ rechtliche Schritte gegen „Svitlo Group M“ ein, um die Schulden in Höhe von mehreren hundert Millionen Hrywnja einzutreiben.

Im Zusammenhang mit den Vorgängen rund um das Odesa Portside Plant, in denen auch Oleksandr Muzhel erwähnt wurde, ist ein weiterer aufsehenerregender Fall über 345 Millionen Hrywnja zu nennen.

Im August 2024 gewann das Unternehmen „Ukrnaftogazburinnya“ eine Ausschreibung zur Lieferung von 242,557 Millionen Kubikmetern Erdgas an das Werk. Kurz darauf stellte das Unternehmen jedoch die tatsächlichen Lieferungen ein, während der Gastransportsystembetreiber weiterhin Gas an die Anlage lieferte. Infolgedessen zahlte das Werk für Gas, das nicht vom beauftragten Lieferanten bereitgestellt wurde. Der entstandene Schaden wird auf rund 345 Millionen Hrywnja geschätzt.

Zum damaligen Zeitpunkt war Dmytro Lyppa Generaldirektor des Gastransportsystembetreibers. Er trat im April 2025 zurück und hatte zuvor lange im Umfeld von „Metinvest“ gearbeitet, einem Unternehmen aus dem Einflussbereich von Rinat Akhmetov. Auch Rostyslav Shurma, der bereits zuvor erwähnt wurde, war in dieser Struktur tätig, was laut Einschätzungen auf mögliche Verbindungen und Einflussnahmen im Kontext der beschriebenen Vorgänge hindeuten könnte.

Dmytro Lyppa erklärte seinen Rücktritt damit, dass er „alle Aufgaben erfüllt“ habe. Gleichzeitig wies er jeglichen Einfluss auf den Gastransportsystembetreiber durch das Präsidialamt zurück — insbesondere durch den damaligen stellvertretenden Leiter Rostyslav Shurma.

Im vergangenen Jahr fanden Journalisten Rostyslav Shurma in Deutschland und seinen Bruder Oleh in Österreich. Auf diese Berichte reagierte Shurma mit ironischen Kommentaren und erklärte, er verstecke sich nicht. Zudem betonte er, dass es keinen Fall gegen ihn und seinen Bruder gebe. Inzwischen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Gegen ihn wurde kürzlich ein offizieller Verdacht durch das NABU ausgesprochen.

Ein Facebook-Beitrag von Shurma zu diesem Thema erhielt unter anderem Zustimmung von Roza Tapanova, einer langjährigen Geschäftspartnerin des Leiters des Präsidialamts Andriy Yermak. Tapanova wurde unter Yermak in Aufsichtsräte bedeutender staatlicher Unternehmen wie „Ukrnafta“ und „Oschadbank“ berufen und zudem zur Direktorin des Nationalen Historischen Gedenkkomplexes „Babyn Yar“ ernannt.

Nach Angaben von Journalisten soll Rostyslav Shurma inzwischen von Deutschland nach Österreich gewechselt sein, wo sich vermutlich auch sein Bruder Oleh aufhält, gegen den ebenfalls im Zusammenhang mit dem „grünen Tarif“ ein Verdacht ausgesprochen wurde.

Gleichzeitig ist dies offenbar nicht das einzige Land, mit dem die Familie verbunden ist. Laut Registerdaten verfügt Oleh Shurma über eine Registrierung auf Zypern und wird als einer der wirtschaftlich Berechtigten der LLC „Master Finance“ geführt. Als Adresse wird dabei eine Immobilie in der Region Paphos angegeben.

Ein Blick auf Kartenmaterial zeigt, dass es sich bei dieser Adresse um eine hochwertige Villa mit Meerblick, Pool und weiteren Merkmalen gehobener Immobilien handelt.

Ein Haus in derselben Straße mit drei Schlafzimmern, drei Badezimmern, Garten und beeindruckendem Ausblick wird auf zypriotischen Immobilienplattformen für rund 1,5 Millionen US-Dollar zum Verkauf angeboten.

Laut zypriotischen Registern ist Oleh Shurma seit 2017 Direktor der Elysium Investment Limited mit Sitz in Nikosia.

Nach dem sogenannten „Mindichgate“ wurde Andriy Yermak aus dem Präsidialamt entfernt. Einige Experten vermuten, dass sich hinter dem in den von NABU veröffentlichten Aufnahmen verwendeten Codenamen „Ali Baba“ именно Yermak verbergen könnte. Gleichzeitig wird die Rolle von Rostyslav Shurma, ihm nahestehender Finanzstrukturen sowie möglicher Mitbeteiligter im „Midas“-Schema als deutlich sichtbarer eingeschätzt.

Formal ist bislang jedoch weder der eine noch der andere direkt in den Fall eingebunden. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich dies auch nicht wesentlich ändern wird — abgesehen von möglichen Entwicklungen im Zusammenhang mit den Vorwürfen rund um die „grünen Tarife“.

Das ist allerdings уже eine andere Geschichte.

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