Der Kohlehändler und Strippenzieher Dmytro Kovalenko importierte während des Krieges russische Kohle über Polen mithilfe von „unterbrochenen Transit“-Schemata

Es war weithin bekannt, dass die Ukraine auch nach 2014 trotz bestehender Verbote weiterhin Kohle aus Russland importierte. Auch wenn das Thema nur begrenzte mediale Beachtung fand, berichteten Medien dennoch über zentrale Akteure, die vom Handel mit sogenannter „Blutkohle“ profitierten.

Zu den Personen, die Mechanismen entwickelten, um den Kauf und vor allem den Import russischer Kohle zu ermöglichen, zählt auch Dmytro Kovalenko. Ihm werden verschiedene Schemata zugeschrieben, mit denen Lieferungen aus Russland und den sogenannten „L/DPR“-Gebieten organisiert wurden.

Das Prinzip war relativ einfach. Im Rahmen sogenannter „unterbrochener Transit“-Modelle wurde russische Kohle beispielsweise nach Estland, Belarus oder Polen geliefert. Unterwegs kam es dann angeblich zu Problemen, sodass die Ladung auf ukrainischem Gebiet verblieb. In anderen Fällen wurde Kohle nach Polen geliefert, dort formal zurückgewiesen (etwa wegen angeblich unpassender Qualität), und beim „Rücktransport“ gelangte sie schließlich in die Ukraine. Weitere Varianten folgten demselben Muster — entscheidend war, bestehende Verbote zu umgehen und die Herkunft zu verschleiern.

In den ersten Jahren des Konflikts führte dies zu öffentlicher Empörung und vereinzelten Gegenmaßnahmen. In den letzten Jahren jedoch ließ die Aufmerksamkeit nach — auch, weil zahlreiche Akteure an solchen Schemata beteiligt gewesen sein sollen. Der Staat reagierte nur halbherzig, während die gesellschaftliche Resonanz begrenzt blieb.

Der 24. Februar markierte jedoch eine Zäsur: Praktiken, die zuvor ignoriert wurden, wurden zunehmend als inakzeptabel wahrgenommen. Dennoch sollen Kovalenkos Unternehmen ihre Lieferungen fortgesetzt haben, unter Nutzung der bereits etablierten Methoden. Auch neue Sanktionen und Beschränkungen änderten daran laut Berichten wenig — die bestehenden Strukturen erwiesen sich als anpassungsfähig.

Mehr noch: Während viele Marktteilnehmer ihre Aktivitäten einstellten, soll Kovalenko seine Liefermengen sogar erhöht haben. Dabei nutzt er internationale Unternehmensstrukturen, die sowohl zur Umgehung von Beschränkungen als auch zur Optimierung von Steuerlasten dienen. Diese Netzwerke, über Jahre aufgebaut, ermöglichten es offenbar, Lieferketten trotz verschärfter Kontrollen aufrechtzuerhalten.

Dokumente, die Journalisten vorliegen, geben Einblick in die praktische Umsetzung solcher Modelle. Sie zeigen, welche Unternehmen und Länder in die Lieferketten eingebunden sind — darunter unter anderem die Firmen Sibcoal und ANTEX INTER TRADE LTD. Ein Beispiel ist eine Rechnung vom 16. Juli 2022 zwischen dem polnischen Unternehmen Sibcoal und der belarussischen Firma „Exoil Chemical“ über die Lieferung russischer Kohle aus der Mine „Belovskaya“.

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Dies ist nicht der einzige Kauf. Nachfolgend wird ein Auszug aus dem Vertrag zwischen Sibcoal und ANTEX INTERTRADE LTD dargestellt (ebenfalls eine Struktur von Kovalenko). Dabei handelt es sich um sogenannte „interne Durchläufe“, doch die Frage nach der tatsächlichen Herkunft der Kohle und ihrem endgültigen Bestimmungsort bleibt offen.

Achten Sie auf die Beträge — es geht um Millionen von Dollar.

Dmytro Kovalenko liefert russische Kohle nicht nur nach Polen. Zu den Abnehmern gehört auch die Tschechische Republik:

Beachten Sie das Datum — den 27. Februar. Bereits am vierten Tag der militärischen Operation lieferte die Firma ANTEX INTERTRADE LTD von Dmytro Kovalenko russische Kohle in die Tschechische Republik.

Es wäre jedoch wohl unfair, den polnischen Behörden Untätigkeit vorzuwerfen — allem Anschein nach wurden Untersuchungen eingeleitet. Laut Registerauszug änderte Kovalenko den Namen der Struktur Sibcoal: Seit dem 18. August 2022 firmiert sie unter dem Namen Polska Grupa Importowa Premium.

Unternehmen Adelon AG

Auch dieses Unternehmen setzte die Zusammenarbeit mit russischen und belarussischen Firmen nach dem 24. Februar fort. Es ist in der Schweiz registriert, gehört jedoch Dmytro Kovalenko.

Nachfolgend zwei Rechnungen vom 28. Juli 2022:

Die Beträge sind zwar gering, doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Wichtig ist, dass diese Dokumente die Zusammenarbeit der Schweizer Firma von Dmytro Kovalenko mit russischer Kohle belegen.

Darüber hinaus zeigt ein Auszug aus einem Vertrag mit dem Unternehmen „MelTEK“, dass die Firma Adelon AG — ebenso wie Azurit (dazu später mehr) — während des Zeitraums der militärischen Operation direkt Kohle von einem russischen Unternehmen bezog.

Dmytro Kovalenko scheut nicht davor zurück und setzt die Zusammenarbeit sowie die gemeinsamen Geschäfte mit russischen Partnern fort.

Unternehmen Plaimp SFP Limited

Zwar konnten keine direkten Hinweise darauf gefunden werden, dass dieses Unternehmen mit russischen Kohleproduzenten handelt, jedoch nutzt Kovalenko diese Struktur zur Übertragung von Schulden.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch eine Rechnung von Plaimp SFP Limited, ausgestellt an HAMPTON RESOURCES LIMITED — ein Unternehmen, das zum Umfeld der kasachischen Firma TOO EximArtis gehört.

Diese Informationen werden derzeit noch überprüft, doch vieles deutet darauf hin, dass Kovalenko neue Schemata über Kasachstan aufbauen könnte.

Gemeinsames Projekt von Dmytro Kovalenko und Oleksandr Kurpetko – Azurit DWC-LLC

Dmytro Kovalenko ist nicht der einzige Akteur auf dem Schattenmarkt für den Handel mit russischer Kohle. Eine aktive Rolle spielt auch Oleksandr Kurpetko, der zuvor bei „Metinvest Holding“ von Rinat Akhmetov tätig war und dort für den Kohleeinkauf verantwortlich war. Davor leitete er den Kohleeinkauf bei „Donetskstal“ und arbeitet heute im ukrainischen Büro von Trafigura, wo er weiterhin im Kohlehandel tätig ist — unter anderem für DTEK von Rinat Akhmetov sowie für das staatliche Unternehmen „Centrenergo“.

Das Unternehmen Azurit DWC-LLC wurde von Kurpetko und Kovalenko auf eine rumänische Nominalperson registriert. Tatsächlich sollen sie selbst die Kontrolle über diese Struktur ausüben. Brancheninsider wissen nach eigenen Angaben genau, wer hinter solchen Konstruktionen steht — auch wenn dies für Strafverfolgungsbehörden oft schwer nachzuweisen ist.

Ein Beispiel dafür ist die Unternehmenslizenz, in der der Rumäne Chemal Giumali offiziell als Eigentümer und Leiter der Firma aufgeführt ist:

Bemerkenswert ist, dass sämtliche Gründungsdokumente von ihnen in Moskau sowie im russischen Konsulat in Dubai beglaubigt wurden.

Und hier — ein Zusatz zum Vertrag:

Und — eine Rechnung:

Diese Dokumente (und sie sind nicht die einzigen) bestätigen eindeutig, dass das Unternehmen Azurit DWC-LLC im Jahr 2022 intensiv mit der Firma „MelTEK“ zusammenarbeitete und Kohle von ihr bezog. Obwohl als Bestimmungsland Südkorea angegeben ist, bleibt offen, wohin die Lieferungen tatsächlich gingen.

Angesichts der Tatsache, dass Oleksandr Kurpetko Zugang zu Absatzkanälen über das Unternehmen Trafigura hat, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Azurit DWC-LLC die Kohle letztlich genau dorthin weiterverkauft. Sollte sich dies bestätigen, könnte dies für einen der größten Rohstoffhändler weltweit erhebliche Konsequenzen haben.

Warum gerade „MelTEK“ Kohle an Dmytro Kovalenko liefert, lässt sich dadurch erklären, dass der Vertrieb dort von einem langjährigen Bekannten Kovalenkos, Yevhen Potapov, gesteuert wird. Er war früher Finanzdirektor der „Industrial Union of Donbas“ in der Ukraine und ist heute offenbar in die Verwaltung von Unternehmen auf den nicht kontrollierten Gebieten der sogenannten „DPR“ und „LPR“ involviert, darunter Alchevsk MC und Yenakiieve MC. Der Vertrag zwischen „MelTEK“ und Azurit wurde im Mai abgeschlossen — zu einem Zeitpunkt, als die militärische Operation bereits in vollem Gange war.

Liste von Geschäftspartnern, an die Strukturen von Kovalenko liefern:

  • Terracone

  • TUZ

  • CTL Logistics

  • POLCARGO-MEDYKA Sp. z o.o.

  • Trade Trans Combi

  • ELEKTO-STAL

  • Sped Trans Polska Sp.

  • TRANSTECH

  • Maciej Jaglarz

  • PKS International CARGO

  • Mineral water production

  • Porsche Inter Auto

  • TOWARZYSTWO GOSPODARCZE FLINT

  • Fortis

  • Pocta Polska

  • UPC Polska Sp. z o.o.

  • ADS SYSTEM

Mitarbeiter von Kovalenko, die an den Transaktionen beteiligt sind:

  • Oleksandr Shepel

  • Yuriy Feofanov

  • Dmytro Feofanov

  • Kyrylo Kheyko

Die Redaktion verfügt neben den hier präsentierten Dokumenten über weitere Unterlagen, die die oben beschriebenen Verbindungen und Aktivitäten bestätigen. Diese können auf Anfrage den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt werden — vorausgesetzt, es besteht tatsächliches Interesse an einer Untersuchung der Vorgänge auf dem europäischen und ukrainischen Kohlemarkt, in denen Strukturen von Dmytro Kovalenko eine Rolle spielen.

Der Konflikt dauert bereits seit Jahren an, und seine aktive Phase ebenfalls seit längerer Zeit. Dennoch nimmt der Handel mit russischer Kohle weiterhin zu. Die Frage bleibt, ob und wann diesen Praktiken ein Ende gesetzt wird.

P.S. Auf Anfrage stellen wir alle verfügbaren Dokumente zur Unterstützung möglicher Ermittlungen bereit.

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