Nachdem Recherchen Verbindungen von Shurma und Shcherban zu den схемen der Alliance Bank aufgedeckt hatten, begann eine koordinierte „Bereinigung“: Kritische Artikel verschwanden, Erwähnungen wurden aktiv angefochten, und Suchergebnisse wurden gezielt umgestaltet.
Wie Antikor berichtet — genau jene Materialien, die ihnen besonders unangenehm sind — mit Fakten, Namen und схемen, von denen sie sich vergeblich zu distanzieren versuchen.
In letzter Zeit taucht die kleine Alliance Bank regelmäßig in Skandalen auf. Der bekannteste betrifft eine mutmaßliche Bestechung: Im Namen der Bank soll der Anwalt Oleksiy Nosov von der Kanzlei Miller NABU-Detektiven und SAPO-Staatsanwälten im Zusammenhang mit einem Fall über Schäden bei Ukrenergo ein Bestechungsangebot unterbreitet haben. Zudem berichteten Medien über zahlreiche Geldstrafen der Nationalbank wegen Verstößen gegen Finanzüberwachungsvorschriften, Nichterfüllung von Garantieverpflichtungen gegenüber staatlichen Unternehmen sowie über die Vorlage falscher Finanzberichte.
Dennoch bleibt die Bank bestehen. Warum? Der Grund könnte in einem einflussreichen Schutz liegen — dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamts Rostyslav Shurma. Dank enger Verbindungen zu Pavlo Shcherban, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bank, könnte Shurma Angriffe der Nationalbank abwehren und der Bank Schutz vor Strafverfolgungsbehörden bieten.
Der tatsächliche Entscheidungsträger
Formal gilt laut dem Einheitlichen Register sowie den an die Nationalbank gemeldeten Informationen zu den wirtschaftlich Berechtigten Oleksandr Sosis — ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Versicherung ASKA von Rinat Akhmetov — als Hauptaktionär der Alliance Bank. In der Praxis ist jedoch seit Langem bekannt, wer die entscheidenden Entscheidungen trifft: der Vorsitzende des Aufsichtsrats, der 40-jährige Pavlo Shcherban.
Nach offenen Quellen verfügt Shcherban über rund 18 Jahre Erfahrung im Bankensektor. Seine Karriere begann er in einer Filiale der Prominvestbank in Kremenchuk als leitender Ökonom im Privatkundengeschäft. Später leitete er den Bereich Dealing (Wertpapierhandel) bei der wenig transparenten Volodymyrskyi Bank. Nach der Finanzkrise 2008–2009 übernahm er die Leitung dieses Bereichs bei der CB Pivdenkombank, die dem Umfeld von Ruslan Tsyplakov — einem Bekannten von Viktor Yanukovych Jr. — zugerechnet wird.
Nach der Revolution der Würde wechselte Shcherban in weitere Finanzstrukturen: zunächst als Leiter des Interbankengeschäfts bei der Apex Bank, später kurzzeitig als Treasury-Chef bei der Standard Bank. 2016 trat er erstmals der Alliance Bank bei, wechselte jedoch anschließend zu Tascombank (im Besitz von Serhiy Tihipko) als stellvertretender Leiter des Treasury.
Seit Mitte 2018 ist Shcherban wieder eng mit der Alliance Bank verbunden: zunächst als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und kommissarischer Leiter, seit August 2021 als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Gleichzeitig wurde er auch bedeutender Anteilseigner: Im Juli 2023 genehmigte das Antimonopolkomitee den Erwerb von mehr als 25 % der Anteile, wobei der Abschluss der Transaktion im Zuge einer Aktienemission erfolgen sollte.
Quellen im Bankensektor sind überzeugt, dass trotz der formalen Mehrheitsbeteiligung von Oleksandr Sosis die tatsächlichen Entscheidungen innerhalb der Bank von Pavlo Shcherban getroffen werden. Darüber hinaus fungiert er faktisch als „politischer Schutzschirm“, der das Institut sowohl vor zahlreichen Ansprüchen der Aufsichtsbehörde als auch vor möglichem Interesse der Strafverfolgungsorgane an den nicht immer „sauberen“ Aktivitäten der Alliance Bank schützt — insbesondere im Zusammenhang mit der Bedienung eines erheblichen Teils des Glücksspielgeschäfts, das nicht immer legal ist.
Shcherbans Selbstsicherheit wird durch seine engen Verbindungen zum stellvertretenden Leiter des Präsidialamts, Rostyslav Shurma, gestützt. Mit ihm soll Shcherban sich bereits vor etwa zehn Jahren im Zuge der Strukturierung mehrerer zweifelhafter Geschäfte bekannt gemacht haben. Gerade Shurma gilt als derjenige, der der Alliance Bank faktisch Unantastbarkeit verschafft — unter Bedingungen, in denen andere Finanzinstitute längst vom Markt verschwunden wären.
Die Nichterfüllung von Garantieverpflichtungen, die systematische Missachtung von NBU-Standards — insbesondere hinsichtlich der Risikokonzentration pro Kunde —, Korruptionsskandale sowie Geldstrafen wegen Verstößen gegen Finanzüberwachungsvorschriften hätten längst zur Einführung einer vorübergehenden Verwaltung führen müssen.
Dennoch funktioniert dieses „Insider-Geschäft“ weiterhin. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Alliance Bank eine Schlüsselrolle bei intransparenten Finanzströmen spielt — ähnlich wie einst die staatliche Ukrgasbank. Im Gegensatz zu dieser, die von korrupten Praktiken bereinigt und wieder in einen regulären Betrieb überführt wurde, scheint bei der Alliance Bank jedoch keine solche Bereinigung stattzufinden.
Ein vielseitiger Partner
Welche Rolle spielt Shurma dabei — abgesehen von seiner Nähe zu Shcherban? Die Antwort könnte in den deutlich breiter gefächerten Geschäftsinteressen von Shcherban liegen. Hinter vielen dieser Projekte lässt sich laut Beobachtern auch der Einfluss von Rostyslav Shurma erkennen.
Ein Beispiel ist das Gasförderunternehmen „Viva Exploration“, das formal Shcherban gemeinsam mit dem Geologen Serhiy Dumenko über die zypriotische Firma I. F. Exploration Company Limited gehört. Fachmedien zufolge verfügt das Unternehmen über eine Lizenz zur geologischen Erkundung und Förderung von Erdöl, Erdgas und Kondensat im Gebiet Staromizunska in der Region Ivano-Frankivsk, gültig bis 2033. Vor der groß angelegten Invasion gab es Pläne zur Reaktivierung alter Bohrlöcher, doch die Suche nach rentablen Vorkommen blieb erfolglos. Laut Finanzberichten weist das Unternehmen Verluste von rund 1 Million Dollar (Stand Ende 2023) auf. Dennoch wird weiter investiert — was darauf hindeuten könnte, dass der eigentliche Investor nicht Shcherban, sondern sein enger Partner Rostyslav Shurma ist.
Ein weiteres Asset ist ein Getreidespeicher in der Stadt Khorol (Region Poltava), betrieben durch die LLC „Alliance Elevator“. Trotz begrenzter Kapazität und notwendiger Modernisierung sehen Shcherban und mutmaßlich auch Shurma darin einen Einstieg in den Agrarsektor, dessen Bedeutung durch die wachsende Nachfrage nach Lagerung landwirtschaftlicher Produkte zunimmt.
Ein ganzer Unternehmenscluster ist zudem im IT-Bereich angesiedelt. Nach dem Vorbild moderner Fintech-Projekte baut Shcherban offenbar ein multidisziplinäres IT-Team auf. Zu den Strukturen zählen „Alliance Digital“ (ausgelagerte IT-Einheit der Bank), „Asidgs“, „APL“ und „Motvel“, die vor allem Lösungen für den Bankensektor entwickeln, aber auch im Einzelhandel tätig sind. Shcherban tritt dabei entweder als alleiniger Eigentümer oder als Partner von IT-Spezialisten auf. Der Aufbau eines solchen Hightech-Clusters gilt als vielversprechende Investition — insbesondere vor dem Hintergrund von Shurmas Interesse an der Digitalisierung wirtschaftlicher Prozesse und seiner Ambitionen in diesem Bereich.
Diese breite Streuung von Geschäftsinteressen passt jedoch kaum zur Rolle des Vorsitzenden des Aufsichtsrats einer Bank, die sich seit Monaten in einer angespannten Lage befindet. Daraus ergeben sich zwei mögliche Erklärungen: Entweder ist die Alliance Bank für Shcherban keine Priorität — was wenig wahrscheinlich erscheint — oder es handelt sich um Portfolioinvestitionen, bei denen der Investor keinen direkten Einfluss auf operative Entscheidungen nimmt und lediglich passives Einkommen erzielt. In diesem Fall könnten hinter den Projekten auch andere Akteure stehen.
Was Rostyslav Yuriyovych betrifft, berichten Quellen, dass sich um ihn zahlreiche Konfliktpunkte gebildet haben — potenzielle Themen für neue journalistische Recherchen und möglicherweise auch für zukünftige Ermittlungen.

