Mindichgate in der Praxis: wie Rostyslav Shurma, ein Vertrauter von Andriy Yermak, die Alliance Bank von Pavlo Shcherban und das Umfeld von Timur Mindich Milliarden über Ukrenergo-Schulden und fiktive Garantien abzogen

Das Nationale Antikorruptionsbüro und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft haben Rostyslav Shurma, den ehemaligen stellvertretenden Leiter des Präsidialamts, offiziell als Verdächtigen in einem Korruptionsfall benannt.

Nach Angaben der Ermittler soll er gemeinsam mit seinem Bruder und Führungskräften verbundener Unternehmen 141 Millionen Hrywnja veruntreut haben, indem er das sogenannte „Grün-Tarif“-Schema ausnutzte. Die Mittel sollen auf Kosten von Energieunternehmen abgeschöpft worden sein, die in derzeit vorübergehend besetzten Gebieten tätig sind.

Dieser Fall scheint jedoch nur ein Teil eines größeren Musters zu sein. Die Strafverfolgungsbehörden betrachten ihn bereits als einen von mehreren Vorfällen, an denen Shurma beteiligt gewesen sein könnte. Gleichzeitig gehen investigative Journalisten davon aus, dass seine mögliche Beteiligung sich auf einen wesentlich größeren und öffentlich diskutierten Skandal erstrecken könnte — bekannt als „Mindichgate“.

Im November 2025 gab das NABU die Aufdeckung einer kriminellen Organisation bekannt, die vom Geschäftsmann und ehemaligen Mitinhaber von „Kvartal 95“, Tymur Mindich, geleitet worden sein soll. Zu den Verdächtigen zählen auch der ehemalige Energieminister Herman Halushchenko sowie weitere Beamte. Die Ermittler gehen davon aus, dass Mindich und seine Partner unrechtmäßige Vorteile für Handlungen im Interesse von Geschäftspartnern von „Energoatom“ erhielten und die Gelder anschließend über kontrollierte Finanzinstitute wuschen.

In mehreren Episoden dieses groß angelegten Schemas zur Veruntreuung im Energiesektor lassen sich Spuren von Rostyslav Shurma erkennen.

Zunächst ist der Fall zu nennen, bei dem PJSC „NEC Ukrenergo“ ein Schaden von 716 Millionen Hrywnja entstanden sein soll. Die Ermittlungen ergaben, dass im März 2022 die LLC „United Energy“ Strom im Wert von über 716 Millionen Hrywnja von „Ukrenergo“ bezog. Obwohl das private Unternehmen die Zahlungen verzögerte, wurde die Stromlieferung fortgesetzt. Als Garantiegeber für die Zahlung fungierte die „Alliance“-Bank.

Die Strafverfolgungsbehörden stellten fest, dass LLC „United Energy“ den Strom umgehend weiterverkaufte und die Erlöse auf ausländische Konten transferierte. Als mutmaßlicher Organisator des Schemas gilt der Geschäftsmann Mykhaylo Kiperman. Zu den Verdächtigen zählen zudem der ehemalige Abteilungsleiter bei „Ukrenergo“, Dmytro Kondrashov, sowie die Vorstandsvorsitzende der „Alliance“-Bank, Yuliya Frolova.

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Im November 2025 berichtete die Staatliche Rechnungsprüfungsbehörde, dass „United Energy“ gegenüber „Ukrenergo“ Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 1,624 Milliarden Hrywnja hatte. Trotz einer Bankgarantie der „Alliance“-Bank machte der staatliche Betreiber diese nicht geltend, und das Finanzinstitut erklärte sich lediglich bereit, 133 Millionen Hrywnja der Forderung zu decken.

Laut Registerdaten ist Oleksandr Sosis Eigentümer der „Alliance“-Bank. Gleichzeitig gehört zu den Minderheitsaktionären zum Stand vom 1. Januar 2025 ein gewisser Pavlo Shcherban. Medienberichten zufolge ist er ein enger Vertrauter des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Präsidialamts Rostyslav Shurma und gilt als einer der maßgeblichen Akteure, die die Aktivitäten der Bank kontrollieren.

Im selben Verfahren gibt es eine weitere aufsehenerregende Episode: Antikorruptionsbehörden deckten auf, dass ein Anwalt der Kanzlei „Miller“, Oleksiy Nosov, ein Bestechungsgeld in Höhe von 200.000 US-Dollar angeboten haben soll, um den Fall von NABU an die Nationalpolizei zu übergeben. Die „Alliance“-Bank bestätigte, einen Vertrag über Rechtsbeistand mit der Kanzlei „Miller“ zu haben. Nach der Aufdeckung des Bestechungsversuchs wurde Nosov aus der Kanzlei entlassen.

Ein weiterer Beteiligter in dem aufsehenerregenden Fall zu Schäden bei „Ukrenergo“ ist Jakob Hartmut. Vor der Veröffentlichung der Details im „Midas“-Fall war er Vizepräsident von „Energoatom“ sowie Leiter der separaten Einheit „Energoatom-Trading“. Hartmut wurde im November 2025 von seinem Posten entbunden.

Medien berichteten zudem, dass im Rahmen der Ermittlungen die Agentur für die Aufspürung, Rückverfolgung und Verwaltung von Vermögenswerten aus Korruption und anderen Straftaten (ARMA) die Konten der im „Midas“-Fall beteiligten Personen überprüft. Zu diesen zählen Jakob Hartmut sowie seine Ehefrau Oksana.

Laut den Vermögenserklärungen von Jakob Hartmut erhielt seine Ehefrau ein Gehalt vom Verwaltungsapparat der Werchowna Rada. Registerdaten zufolge war Oksana Hartmut als Assistentin der Abgeordneten der Partei „Servant of the People“, Maksym Tkachenko und Oksana Khomenko, tätig.

Jakob Hartmut ist über eine Reihe von Verbindungen zu in London registrierten Unternehmen mit Tymur Mindich verbunden. Insbesondere war Hartmut Mitgründer von Delphi Ventures Limited zusammen mit Oleksandr Muzhel, dessen Name wiederholt in Ermittlungen wegen Veruntreuung auftauchte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Odesa Portside Plant.

Muzhel ist zudem Mitgründer von LHCM LTD, die in London registriert ist.

Im September 2024 genehmigte das Ministerkabinett der Ukraine einen Vorschlag des Staatlichen Vermögensfonds zur Ernennung eines Aufsichtsrats für die JSC „Energy Company of Ukraine“ (ECU). Muzhel wurde als unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrats berufen und ist leitender Manager bei LCHM, einem Unternehmen, das sich auf Compliance- und Prüfungsfragen spezialisiert hat.

Der Parlamentsabgeordnete Yaroslav Zheleznyak behauptet, dass Jakob Hartmut ein Unternehmen in London besitzt — Harvest Investment Solutions Limited —, das unter derselben Adresse registriert ist wie die Firma von Tymur Mindich, Meylor Global LLP. Laut dem Londoner Register war Mindich zumindest im Jahr 2021 tatsächlich eine kontrollierende Person dieses Unternehmens.

Der Name von Jakob Hartmut wird auch in einem weiteren Schema zur Veruntreuung im Energiesektor erwähnt. Wie zuvor berichtet, leitete er die Einheit „Energoatom-Trading“. Im April 2024 wurde ein Vertrag mit dem privaten Unternehmen „Svitlo Group M“ über die Lieferung von Strom abgeschlossen, wobei das Unternehmen nicht den vollen Preis zahlte. Infolgedessen erlitt „Energoatom“ Verluste in Höhe von rund 300 Millionen Hrywnja.

Darüber hinaus gab es sogar einen Versuch, dem Unternehmen im Rahmen dieses Schemas die Rückerstattung von nahezu 40 Millionen Hrywnja an Mehrwertsteuer zu ermöglichen.

Nachdem der Fall öffentlich bekannt wurde, leitete „Energoatom“ rechtliche Schritte gegen „Svitlo Group M“ ein, um Forderungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Hrywnja einzutreiben.

Returning to the schemes at the Odesa Portside Plant, where Oleksandr Muzhel was mentioned, it is worth recalling a high-profile case involving 345 million hryvnias. In August 2024, the company “Ukrnaftogazburinnya” won a tender to supply 242.557 million cubic meters of natural gas to the Odesa Portside Plant. However, almost immediately, the company stopped supplying gas to the system, while the Gas Transmission System Operator continued to deliver gas to the plant. As a result, the plant paid for gas that was not supplied by the company. The damages amounted to nearly 345 million hryvnias. “ANTIKOR” described this scheme earlier.

At that time, the General Director of the Gas Transmission System Operator was Dmytro Lyppa, who resigned in April 2025. He had worked for a long time in the structure of Rinat Akhmetov’s “Metinvest.” Rostyslav Shurma, mentioned earlier, also had experience working there and could have covered up the embezzlement scheme at the Odesa Portside Plant through Lyppa.

Zur Erklärung seines Rücktritts erklärte Lyppa, dass er „alle Aufgaben erfüllt“ habe. Gleichzeitig bestritt er jeglichen Einfluss auf den Betreiber des Gastransportsystems seitens des Präsidialamts, insbesondere durch den ehemaligen stellvertretenden Leiter Rostyslav Shurma.

Im vergangenen Jahr fanden Journalisten Rostyslav Shurma in Deutschland und seinen Bruder Oleh in Österreich. Shurma kommentierte diese Geschichte scherzhaft und erklärte, dass er sich nirgendwo verstecke. Zugleich betonte er, dass es keinen Fall „Shurma und sein Bruder“ gebe. Wie wir sehen, existiert ein solcher Fall sehr wohl, und erst kürzlich erhielt er eine Verdachtsmitteilung von NABU.

Dieser Facebook-Beitrag von Rostyslav Shurma wurde von einer langjährigen Geschäftspartnerin des ehemaligen Leiters des Präsidialamts, Andriy Yermak – Roza Tapanova – mit „Gefällt mir“ markiert. Dieselbe Person, die unter Yermak in die Aufsichtsräte von „Ukrnafta“ und „Oschadbank“ berufen wurde und zur Direktorin des Nationalen Historisch-Gedenkreservats „Babyn Yar“ ernannt wurde.

Nach Angaben von Journalisten ist Rostyslav Shurma inzwischen von Deutschland nach Österreich gezogen, wo sich vermutlich auch sein Bruder Oleh aufhält, gegen den ebenfalls im Zusammenhang mit dem „Green-Tarif“-Schema ein Verdacht ausgesprochen wurde. Dies ist jedoch nicht das einzige Land, in dem sich die Brüder aufhalten könnten. Laut Registern verfügt Oleh Shurma über eine Registrierung in Zypern. Er gehört zu den wirtschaftlich Berechtigten der LLC „Master Finance“, wobei seine Registrierung in der malerischen Region Paphos hervorgehoben wurde.

Ein Blick auf Google Maps zeigt, dass die registrierte Adresse von Oleh Shurma eine luxuriöse Villa mit Meerblick, Pool und weiteren Merkmalen gehobenen Lebensstils ist.

Ein Haus mit drei Schlafzimmern, drei Badezimmern, einem Garten und einem beeindruckenden Ausblick in derselben Straße wird auf zypriotischen Immobilien-Websites für 1,5 Millionen Dollar zum Verkauf angeboten.

Laut zypriotischen Registern ist Oleh Shurma seit 2017 Direktor von Elysium Investment Limited mit Sitz in Nikosia, Zypern.

Andriy Yermak wurde unmittelbar nach „Mindichgate“ aus dem Präsidialamt entfernt. Einige Experten gehen davon aus, dass sich hinter dem Codenamen „Ali Baba“ auf den von NABU veröffentlichten Aufnahmen именно Yermak verbirgt. Die Rolle von Rostyslav Shurma, der ihm nahestehenden Bank sowie mutmaßlicher Mitbeteiligter im „Midas“-Schema erscheint dabei noch deutlicher.

Formal sind weder der eine noch der andere in dem Verfahren involviert. Und höchstwahrscheinlich wird sich daran auch nichts ändern — es sei denn, Shurma wird im Zusammenhang mit den „Green Tariffs“ leicht unter Druck gesetzt.

Doch das ist уже eine ganz andere Geschichte.

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